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Claudia Llosa über die Berlinale

claudia_llosa_berlinaletip: Sie selbst leben schon seit knapp zehn Jahren in Spanien. Wie arbeitet es sich zwischen den zwei Kontinenten?
Claudia Llosa: Verrückterweise kann ich meine „peruanischen“ Filme eigentlich nur machen, weil ich in Spanien lebe. In Peru selbst wären weder „Madeinusa“ noch „Eine Perle Ewigkeit“ zu stemmen gewesen. Bisher habe ich allerdings noch jedes Jahr eine gewisse Zeit in Peru verbracht und bewältige diese Doppelexistenz inzwischen mit einer gewissen Routine. Ich fühle mich wohl als Teil der lateinamerikanischen Filmindustrie. Aber ich brauche das Standbein Europa, um die entsprechenden lateinamerikanischen Filme auch tatsächlich fertig zu bringen.

tip: Werden Ihre Filme hier in Europa anders wahrgenommen als in Lateinamerika?
Claudia Llosa:
Im Grunde nicht. Im Gegenteil, mich erstaunt immer wieder die Allgemeingültigkeit des Besonderen, sogar Persönlichen. Aber natürlich enthalten meine Filme Details, die nur Peruaner verstehen können. Obwohl es gleichzeitig eine Menge Peruaner gibt, besonders aus Lima, denen die ländliche Welt meiner Filme und die Kultur der Quechua völlig fremd sind. Eine Szene allerdings hat in Deutschland und in Peru tatsächlich entgegengesetzte Reaktionen hervorgerufen. Am Anfang von „Eine Perle Ewigkeit“ gibt es die Totale eines peruanischen Armenviertels. In Berlin – und auch anderswo in Europa – habe ich da immer so eine Art Bedrückung im Kino gespürt. Als wir den Film vor Ort in Peru gezeigt haben, gab es angesichts des gleichen Panoramas einen Riesenapplaus. Die Leute waren einfach stolz, dass sie auch einmal im
Kino vorkamen, und dann sogar in einem Film, der international Erfolg hatte.

tip: Wird es nach zwei Filmen über das traditionelle Peru und nach zehn Jahren in Europa nicht Zeit, einmal den Fokus zu verschieben?
Claudia Llosa: Sie haben recht, es wird Zeit. Ich darf mich nicht zu sehr in meine peruanische Ecke einkuscheln. Aber ich habe lange gebraucht, um mich in Europa „sicher“ genug zu fühlen – um hier meinen eigenen Dreh zu finden. Jetzt bin ich, glaube ich, so weit. Jedenfalls schließe ich demnächst ein Drehbuch ab, dessen Geschichte zwischen Europa und den USA spielt.

tip: Ein Onkel von Ihnen hat neulich den Literatur-Nobelpreis erhalten. Haben Sie von Mario Vargas Llosa etwas für das Schreiben gelernt?
Claudia Llosa: Ich wünschte, ich könnte einfach Ja sagen. Aber einen bewussten Einfluss gibt es, glaube ich, nicht – obwohl ich natürlich seine Bücher sowohl zu Hause als auch in der Schule eingehend studiert habe. Was stimmt, ist, dass mich die lateinamerikanische Literatur insgesamt mehr inspiriert als das lateinamerikanische Kino. Und Mario ist bestimmt – wenigstens für alle Peruaner – ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, dem eigenen Traum zu folgen, und dass manche Träume sogar in Erfüllung gehen – wie in meinem Fall.

Interview: Merten Worthmann

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