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Clint Eastwoods “ Invictus – Unbezwungen „

InvictusClint Eastwood wird im Mai 80, an seiner Produktivität hat das nichts geändert. Vielleicht aber ist er etwas naiver als früher, etwas altersmilde geworden. Das würde seinen Blick auf die südafrikanische Geschichte, auf Rassismus, Schuld und Sport in „Invictus“ erklären. Eastwoods Film sieht aus, als wollte der Regisseur seinem persönlichen Freund Nelson Mandela ein stilisiertes Heiligenbild schenken.

Die Geschichte erzählt von einem bankrotten Land, die Wirtschaft liegt darnieder, man beäugt sich misstrauisch, Gewalt liegt in der Luft: Als Nelson Mandela (Morgan Freeman) 1994 erster Präsident Südafrikas nach Ende der Apartheid wird, ist der erhoffte Neuanfang fast schon wieder vorbei. Zu gewaltig scheint die Kluft zwischen Schwarz und Weiß, zu verfahren die politische und wirtschaftliche Lage. Mandela ahnt, dass das Land ein einigendes Ereignis braucht, einen Erfolg, der alle Südafrikaner zusammenbringt. Seine Wahl fällt auf die Rugby-Nationalmannschaft, was zunächst alle bestürzt: Die „Springböcke“ waren nicht nur Symbol des alten, rassistischen Systems, ihre sportliche Leis­tung scheint einen Sieg bei der 1995 in Südafrika stattfindenden Weltmeisterschaft auch komplett auszuschließen. Doch Madiba lässt nicht locker, leistet Überzeugungs- und Motivationsarbeit und hat in Springbock-Kapitän Francois Pienaar (Matt Damon) auch bald einen Verbündeten. Beide tun alles für ihr Projekt, versuchen mit guten Worten (W. E. Henleys Gedicht „Invictus“) und guten Taten (Trainingseinheiten in den Town­ships) die Weltmeisterschaft und damit dann auch ein neues, vereintes Südafrika zu schaffen. Im Weg stehen ihnen dabei letztlich nur das Miss­trauen ihrer Landsleute – und die unbesiegbaren „All Blacks“ aus Neuseeland.

Eine geradlinige Erzählung, aber unter Eastwoods Regie bleibt die Figur Pienaars darin letztlich (wie auch Mandela) eine Skizze: Der gedrungene, etwas speckige Matt Damon verkörpert einen respekt- wie geistvollen Profisportler, der sich schnell für den gemeinsamen Traum gewinnen lässt. Idea­listen unter sich, na ja.
Den Mythos von der Rugby-Meisterschaft als Schlüssel­er­eignis der neueren südafrikanischen Geschichte übernimmt Eastwood kritiklos, seine eher schwache Inszenierung hat für Brüche und Widersprüche nichts übrig. Nur in einer Szene, wenn die ANC-Leibwächter auf Mandelas Wunsch mit den weißen Geheimdienstlern und wohl auch Folterknechten der Apart­heid-„Special Branch“ zusam­mengelegt werden, ahnt man, welche wuchtigen Kollisionen, welche Dramen in der südafrikanischen Übergangszeit ste­cken. Regisseur Eastwood interessiert sich aber leider doch nur für Klischees, persönliche Anek­doten und etwas folkloristische Momente. Ob und wie genau der Rugby-Sieg Südafrika geeint hat, erfährt man hier nicht, statt dessen entlässt einen der Film mit zwei nicht ganz neuen Ideen: Südafrika ist ohne Apartheid ein besseres Land, Rugby ein verwirrender, unübersichtlicher Sport.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung: Zwiespältig

 

Invictus – Unbezwungen, USA 2009; Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Morgan Freeman (Nelson Mandela), Matt Damon (Francois Pienaar), Tony Kgoroge (Jason Tshabalala); Farbe, 134 Minuten;

Kinostart: 18. Februar

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