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Comicadaption „The Spirit“ im Kino

The SpiritDer Comicheld Spirit wurde 1940 vom New Yorker Zeichner Will Eisner ersonnen und zu Papier gebracht. Zwölf Jahre lang wurden die Abenteuer von Denny Colt alias The Spirit in amerikanischen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht. Auch die Film­adaption von Co­mic­­legende Frank Miller, der schon müde gewor­dene Comiclegenden wie Batman revitalisiert hat, spielt in den Vierzigern und huldigt so auch der Naivität dieser Epoche. Der ermor­dete Polizist Colt (Gabriel Macht) ist auf mysteriöse Weise wiedergeboren worden und huscht nun als mas­kierter Verbrechensbe­kämp­fer durch die dunklen Straßen von Central City.
Der größte Bösewicht der Stadt hört auf den Namen Octopus und wird diabolisch verkörpert von Samuel L. Jackson. Er und seine reizende Gehilfin Silken Floss (Scarlett Johansson) sind äußerst modebewusst und schlüpfen für jede ihrer schurkischen Missionen in ein neues Outfit. Ihre prunkvollen Kleiderkollektionen reichen von japanischen Samuraigewändern über protzige Pimp-Pelzmäntel bis hin zu pech­schwar­zen Naziuniformen, die äußerst effektvoll als Personifizierung des ultimativen Bösen eingesetzt werden.
In der Reduktion aufs Wesentliche, im Spiel mit den Extremen liegt die Stärke und Schönheit von Millers Bildern. Jede Einstellung des Films kann man sich als gerahmtes Bild in einer Pop-Art-Galerie vorstellen. Wie schon in Robert Rodriguez’ „Sin City„, der von Miller als Koregisseur formal überwacht wurde, versucht er die stilisierten Bilder aus den Comics originalgetreu auf die Leinwand zu übertragen. Das Resultat ist äußerst artifiziell und formelhaft. Wer Millers Bildsprache nicht verinnerlicht hat, seine bahnbrechenden Comicbände „The Dark Knight Returns“ oder „Sin City“ nicht kennt, wird mit „The Spirit“ seine Schwierigkeiten haben. Der Film funktioniert nicht als eigenständige Comicadaption mit aktueller Relevanz, wie es bei Chris­topher Nolans „The Dark Knight“ der Fall gewesen war. „The Spirit“ wirkt so künstlich wie ein abgefilmtes Theaterstück, in dem die Akteure wie Comicfiguren agieren. Egal was ihnen auch auf den Kopf gefallen ist, sie stehen immer wieder auf.
Scarlett Johansson, Samuel L. Jackson und Eva Mendes (als verführerische Juwelendiebin) werden zu Comicfiguren, die sich lustvoll in trivialen Popkulturklischees aalen. Eben noch ist die blonde Scarlett bei Woody Allen in einem leichten Sommerkleid durch Barcelona geschlendert. Jetzt mutiert sie bei Miller zu einem schwarzen Todesengel. Auch Samuel L. Jackson schlüpft in die Naziuniform, quält kleine, süße Kätzchen und schwingt wild ges­tikulierend Reden von der Weltherrschaft. Bevor er von einem gigantischen steinernen Reichsadler begraben wird. Seit Captain Amerika in den 40er Jahren Adolf Hitler auf dem Cover seines ersten Comics einen gezielten Schwinger verpasste, ist Naziverdreschen eine Comictradition. Frank Miller hat mit „The Spirit“ eine von seinem kompromisslosen Stilwillen geprägte Huldigung an die Wurzeln der amerikanischen Comic­kultur geschaffen. Ob die allerdings dem 2005 verstorbenen „Spirit“-Schöpfer Will Eisner gefallen hätte, ist fraglich.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Sehenswert

The Spirit, USA 2008; Regie: Frank Miller; Darsteller: Gabriel Macht (The Spirit/Denny Colt), Samuel L. Jackson (The Octopus), Scarlett Johansson (Silken Floss); Farbe, 102 Minuten

Kinostart: 5. Februar 2009

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