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Conor Oberst in der Apostel-Paulus-Kirche

Conor Oberst

Als Conor Oberst kurz vor Weihnachten ein Konzert in Omaha spielte, erntete der berühmte Sohn der Stadt Ovationen. Nun wohnt der Songschreiber zwar seit Längerem nicht mehr in Nebraskas größter Stadt, sondern zieht das Leben in New York vor. In Omaha zeigt sich Oberst dennoch gern und oft – dort, wo er seit Teenage-Tagen auf eine treue Runde Musikerfreunde zählen kann. Der Abend muss sich denn auch angefühlt haben wie eine etwas größere Wohnzimmerrunde, samt emsigem Kommen und Gehen auf der Bühne und kollektiver Textsicherheit im Publikum. Ähnliche Verbundenheit wird den Songschreiber mit der hellwachen Beobachtungsgabe und der zerbrechlich-feinen Stimme auf seinen rasch ausverkauften Akustik-Konzerten in Europa erleben.
Inzwischen umfasst das Њuvre des 32-Jährigen so Mannigfaltiges wie die Arbeiten als Solist, mit der countryseligen Mystic Valley Band, dem Buddy-Projekt Monsters of Folk und nicht zu vergessen seiner Stammband Bright Eyes, die mit dem Album „The People’s Key“ zuletzt so klang wie eine experimentierlustige Truppe auf dem Sprung zu ihrem nächsten Entwicklungslevel. Die Pause nutzt der dauerbetriebsame Bandkopf einerseits für eine Unplugged-Revision seines Songschatzes, aber auch für erste Testläufe neuer Songs. In Omaha schlug Oberst zudem seinen Solosong „Lenders In The Temple“ von 2008 an, in dem er den moralischen Untergang aus dem biblischen Kontext im Tempel in die Shoppingmall verlegt. Diesen eher unheiligen Song nun passend-unpassend in einer Berliner Kirche zu spielen wird der Agnostiker sich nicht nehmen lassen – ebenso wenig wie seinen überraschenden Nr.-1-Charthit „Lua“ vor seiner innig versammelten Gemeinde zu zupfen. Fürs familiäre Umfeld sind solche zart besaiteten Songs schließlich gemacht.

Text: Ulrike Rechel

Conor Oberst, Apostel-Paulus-Kirche, Do 24.1., 20 Uhr, ausverkauft

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