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„Corroboree“ im Kino

Corroboree„Corroboree“ ist ein Wort aus der Sprache der australischen Aborigines. Es bezeichnet ein traditionelles Initiationsritual, eine festliche Organisation des Übergangs vom jugendlichen Erfahrungszustand in den des Erwachsenen. In Ben Hackworths Film, der auf flirrende Weise zwischen Dokumentation und Spielfilm pendelt, wird das archaische Modell einer solchen Passage adaptiert und zugleich auf einen vielschichtigen und reflexiven Rekonstruktionsversuch der Rolle eine Vaterfigur bezogen.

Ein todkranker Regisseur beordert per Brief einen jugendlichen Schauspieler zu einem ländlichen Anwesen. Dort, in den vielen seltsam verschachtelten Zimmern und Fluren sowie im lichten Garten und dem nahen Wald soll er mit fünf Schauspielerinnen prägende Ereignisse und Stationen aus dem Leben des Regisseurs nachstellen. Aber auf den ersten Blick scheinen weder der scheu wirkende Schauspieler noch dessen weitaus initiierteren Partnerinnen passend in ihren zugeschriebenen Rollen aufzugehen. Es ist diese leichte Distanz zu der nie vollends gelingenden Aufgabe der Darsteller, die den ambitionierten und auf spannende Weise irritierenden Film des vor allem als Künstler bekannten Australiers Ben Hackworth auf allen Ebenen prägt.

„Corroboree“ handelt von der Suche nach einem zeitgenössischen filmischen Äquivalent für Traditionsbildung und Erinnerungsformung. Er verbindet dabei die mehrfach gebrochenen Darstellungsformen der improvisierenden und auf unterschiedliche Weise überforderten Schauspieler mit einer avancierten elliptischen Anordnung. Die offenen, meist halbtotalen und statischen Einstellungen betonen die komplexe Versuchssituation durch präzise Kadrage und exakt bemessene Dauer. Hackworth hat so einen persönlichen und intimen Porträtfilm (in Gedenken an den verstorbenen australischen Theaterregisseur Richard Wherrett) geschaffen, der zugleich eine intellektuell anregende und verunsichernde Studie über die Schaffung von Selbst- und Fremdbildern ist.    

Text: Michael Baute

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Corroboree“ im Kino in Berlin

Corroboree, Australien 2007; Regie: Ben Hackworth;
Darsteller: Conor O‘Hanlon (Conor), Rebecca Frith (Dr. Elsja), Natasha Herbert (Lena);
96 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 20. Januar

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