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„The Counselor“ von Ridley Scott

The_Counselor_c_2013TwentiethCenturyFoxDer Counselor hat keinen Namen. Er ist ein Typus. Der Mann, der alles hat und doch nicht zufrieden ist, der die Gegenwart unbedingt durch die Zukunft überbieten möchte, der sich notorisch überschätzt, weil ihm bisher alles zugeflogen ist, und der trotz zahlreicher Warnschilder schließlich an der rettenden Ausfahrt vorbeifährt. So lässt sich dieser Mann auf einen ominösen Deal mit dem mexikanischen Drogenkartell ein und zerstört mit einer falschen Entscheidung sein Leben und das seiner großen Liebe Laura.

Die Welt des Kartells als Folie der Anti-Zivilisation, in der das Menschliche abhandenkommt und der Primat des Business vor dem Leben von keinem sizilianischen Mafiaethos bemäntelt wird, hat im Kino wie im Fernsehen Konjunktur. Auch in „Breaking Bad“ ist das Kartell das Andere schlechthin, das reine Böse ohne Zierrat, dessen Gegenwart man besser meiden sollte. In Ridley Scotts „The Counselor“ ist es ähnlich. Eigentlich geht es in diesem Film nicht um ein Kartell. Dieses ist bloß das Fleisch gewordene Bild einer mitleidlosen Amoral. Tatsächlich geht es hier um Menschen, die ein bisschen zu gierig sind und sich dann mit dem Teufel einlassen.

Der Romancier Cormac McCarthy, der unter anderem die Romanvorlagen zu „No Country for Old Men“ und „The Road“ geschrieben hat, liefert mit seinem ersten Kinofilmdrehbuch einen gewohnt düsteren Stoff ab, dem der Regisseur und das Starensemble ein Pop-Appeal verpassen, das die konsequent erzählte Tragödie bei aller Härte in leichtfüßiges Kino verwandelt.

Brad Bitt spielt den Mittelsmann Westray mit der ihm eigenen Lässigkeit als philosophierenden Dandy zwischen den Welten. Javier Bardem bereitet in der Rolle des halbseidenen, ästhetisch verunglückten Clubbesitzers Reiner, der sich in die falsche Frau verliebt hat, jede Menge Freude. Und Cameron Diaz wurde als die das ganze Geschehen überblickende Femme Fatale – mit zwei jagenden Haustiergeparden und einem unterwäschefreien Spagat auf der Windschutzscheibe von Reiners Cadillac – mal erfrischend untypisch eingesetzt. Penйlope Cruz als Laura, als „das Gute“, das unverschuldet und nichts ahnend in die Hölle hineingerät, spielt intensiv, Michael Fassbender schließlich verkörpert den Counselor gekonnt zwischen Jovialität, Arroganz und hoffnungsloser Überforderung.

Gerade das McCarthysche Drehbuch, das mit interessanten Dialogen aufwartet und zum Glück nicht alles bis ins letzte Detail auserzählt, disharmoniert allerdings zuweilen mit dem Geschehen auf der Leinwand. Die Figuren sprechen häufig druckreife, mit philosophischem Ballast angereicherte Sätze, die man gerne noch mal lesen möchte, die einem aus dem Mund eines Kartellbosses aber durchaus unwahrscheinlich vorkommen. Das Artifizielle vermindert ein wenig die Anteilnahme am Schicksal der Figuren; es tut der Coolness von „The Counselor“ aber letztlich keinen Abbruch.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: 2013 Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Counselor“ im Kino in Berlin

The Counselor USA 2013; Regie: Ridley Scott; Darsteller: Michael Fassbender (Counselor), Penйlope Cruz (Laura), Cameron Diaz (Malkina), Javier Bardem (Reiner), Brad Pitt (Westray); 117 Minuten; FSK 16

Kinostart: 28. November

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