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„Countdown am Xingu IV“ im Babylon Mitte

Countdown am Xingu IV

Wenige Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist die Stimmung im Land angespannt. Es gibt eine breite Volksbewegung, die gegen die Verschwendung öffentlicher Mittel für die Vorbereitung des Turniers protestiert. Die Menschen würden das Geld lieber in Bildung und Infrastruktur stecken. Der deutsche Dokumentarfilmer Martin Keßler stellt nun seinen Bericht über „Countdown am Xingu IV“ in diesen Zusammenhang. Konkret geht es um ein riesengroßes Wasserkraftwerk in der Amazonasregion. Es geht wesentlich zu Lasten der einheimischen Bevölkerung, die ihre Lebensgrundlage verliert und dabei nicht ausreichend entschädigt wird. Keßler beruft sich maßgeblich auf den aus Österreich stammenden Bischof Erwin Kräutler, der sich immer wieder unter die Demonstranten gegen Umsiedlungen und Enteignungen mischt. Für sie werden Neubausiedlungen bereitgestellt, monotone Betonbauten von mangelhafter Qualität.
Keßler lässt auch Vertreter des Konzerns Norte Energia zu Wort kommen, die in diesem Fall die Interessen der Bau- und Großindustrie artikulieren. „Countdown am Xingu IV“ spitzt durchaus polemisch zu, es wird ein Konflikt zwischen ohnmächtiger indigener Bevölkerung und einem schwer zu durchdringenden Geflecht aus Regierungshandeln und wirtschaftlichen Profiteuren herausgearbeitet. Und schließlich bezieht Keßler auch noch Europa ein: Unternehmen wie Siemens verdienen an dem Projekt auch, immerhin gibt es im Europäischen Parlament verantwortungsvolle Abgeordnete, die zumindest auf Einhaltung gesetzlicher Regelungen drängen.
„Es muss ein völliger Neuanfang her“, sagt ein brasilianischer Experte für Korruption. Die Fußball-Weltmeisterschaft gibt der Bevölkerung eine Gelegenheit, sich globale Aufmerksamkeit zu erschaffen. Zudem steht auch die FIFA, die Weltregierung des Fußballs, selbst in der Kritik wegen fortgesetzter Korruption. „Countdown am Xingu IV“ zählt zu der Sorte engagierter Reportagefilm, die in engem Einvernehmen mit zivilgesellschaftlichen Gruppierungen an einer Gegenöffentlichkeit arbeiten, die sich auch der modernen Netzwerk-Kommunikation bedient. Eine Kurzfassung von 13 Minuten ist auf YouTube zu finden (siehe unten). Wer aber den ganzen Film sehen will und die Sache unterstützt, kann im Babylon Mitte nach der Premiere auch noch diskutieren.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Mayra Galha

Countdown am Xingu IV, ?Berlin-Premiere am Mo 19.05. um 20.00 Uhr im Babylon Mitte

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