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„Cowboys & Aliens“ im Kino

Cowboys_And_Aliens„Cowboys & Aliens“, das klingt nach verheißungsvollem Genre-Clash-Quatsch. Nach Lust an Camp, Übertreibung und filmischem Referenzwirbel. Nach Außerirdischen, die markigen Revolverschwingern mit jenem perfiden Sadismus in den Hintern treten, wie ihn einst auch die Marsianer in Tim Burtons „Mars Attacks!“ an den Tag legten. Doch in Jon Favreaus Graphic-Novel-Adaption werden diese Vorstellungen nach und nach pulverisiert.

„Cowboys & Aliens“ startet ganz westerntypisch mit klassischen Motiven und Figuren. Ein geheimnisvoller Fremder taucht 1873 im Städtchen Absolution auf, hat große Erinnerungslücken und, wie er erst langsam herausfindet, eine kriminelle Vergangenheit. Außerdem trägt er einen rätselhaften High-Tech-Apparat am Arm, der mit dem großen Problem zu tun hat, das aus heiterem Himmel über den Wilden Westen hereinbricht: Außerirdische, die wie gesichtslose Verwandte der von H.R. Giger designten Aliens aussehen und mit den Menschen alles andere als zimperlich umgehen, um in Arizona sämtliches Gold abzusaugen.

Ursprünglich sollte Robert Downey Jr., der unter der Regie von Favreau schon den spitzzüngigen „Iron Man“ gab, den Fremden mit Gedächtnislücken spielen. Stattdessen komplettiert nun Daniel Craig die illustre Besetzung, zu der auch Harrison Ford, Paul Dano und Sam Rockwell gehören, und füllt die Rolle mit derselben kerligen Kampfmaschinenpräsenz, mit der er als James Bond das Gentleman-Geheimagententum einer Radikalimageveränderung unterzog. Was man hier aber vor allem vermisst, sind die Ironie und die Smartness, mit der Favreau vorherige Marvel-Comic-Adaptionen angegangen war. „Cowboys & Aliens“ irritiert stattdessen mit seltsamer Humorlosigkeit und steigert sich allenfalls semiunterhaltsam bis zu einem effektaufgeplusterten Blockbuster-Showdown am Alien-Mutterschiff. Viel zu viel Potenzial dieser Sci-Fi-Western-Kollision verpufft dabei in der Weite der Prärie.

Text: Sascha Rettig

Foto: Zade Rosenthal/2011 Universal Studios

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Cowboys & Aliens“ im Kino in Berlin

Cowboys & Aliens USA 2011; Regie: Jon Favreau; Darsteller: Daniel Craig (Jake Lonergan), Harrison Ford (Col. Woodrow Dolarhyde), Olivia Wilde (Ella Swenson); 118 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 25. August 

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