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„Crazy Heart“ mit Jeff Bridges im Kino

Seinen wahren Namen wird man erst auf seinem Grabstein lesen, so lange ist er Bad Blake, sagt der Countrysänger, der mit 57 Jahren noch immer mit seinem alten Truck durch die Lande tourt, für Auftritte auf kleinen Bühnen, in Lokalen und Bowlingbahnen. Er hat viel falsch gemacht in seinem Leben, etwa, sich nicht um seinen Sohn zu kümmern. Als er den mittler­weile 28-Jährigen schließlich anruft (und dabei erfährt, dass dessen Mutter vor einiger Zeit gestorben ist), kann man verstehen, dass jener sagt, der Vater solle ihn in Ruhe lassen.
Blakes Routine ändert sich erst, als er die junge Journalistin Jean kennenlernt. Die alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Jungen hat Zweifel, ob sie sich auf diesen Mann einlassen soll. Sie tut es dann doch – bis Blakes Alkoholismus zu einer Beinahekatastrophe führt.
Ein Film wie ein Countrysong: Der mag von Alkohol, Untreue und Selbstzerstörung handeln, aber am Horizont wartet meistens die Vergebung aller Sünden. So auch hier, darin ist diese fiktive Geschichte dem Johnny-Cash-Bio-Pic „Walk the Line“ verwandt. Originalität kann das Regiedebüt des Ex-Schauspielers Scott Cooper nicht unbedingt beanspruchen, erfreut aber durch einige schön gezeichnete Nebenfiguren, darunter auch ein von Colin Farrell verkörperter Exprotegй von Bad Blake, der heute Sportarenen füllt, die Achtung vor seinem Mentor jedoch nicht verloren hat. Was „Crazy Heart“ aber vor allem sehenswert macht, ist sein Hauptdarsteller Jeff Bridges. Wenn der am Morgen nach einem Auftritt aufwacht, im Bett neben sich eine schlafende fremde Frau, genügt ein kurzer Moment, den Selbstekel in seinem Gesicht zu bemerken und zu begreifen, warum er sich schnell davonstiehlt – und dass er dies immer wieder tun wird. Bad Blake ist eine überlebensgroße Figur, aber Jeff Bridges verleiht ihr Glaubwürdigkeit gerade durch kleine Gesten, wie man es von diesem eher minimalistischen Schauspieler gewohnt ist. Damit hat er eine gute Chance, am 7. März im fünften Anlauf seine Oscar-Nominierung in einen Triumph zu verwandeln.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Crazy Heart“ im Kino in Berlin

Crazy Heart, USA 2009; Regie: Scott Cooper; Darsteller: Jeff Bridges (Bad Blake), Maggie Gyllenhal (Jean), Robert Duvall (Wayne); Farbe,
112 Minuten

Kinostart: 4. März

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