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„Crulic – Weg ins Jenseits“ im Kino

Der junge Rumäne Claudiu Crulic wurde 2007 in Krakau wegen des Verdachts auf Diebstahl in Haft genommen. Dass er zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat in Italien war, wäre beweisbar gewesen, wenn sich die Behörden ein wenig bemüht hätten. Doch das Gegenteil geschah: Fahrlässige Juristen, mäßig engagierte Diplomaten, bürokratische Ärzte – sie alle tragen einen Teil der Schuld am tragischen Verlauf dieser Geschichte.

Crulic begann einen Hungerstreik, der erst ausreichend ernst genommen wurde, als es schon zu spät war. Er starb mit 33 Jahren. Die Erinnerung an diesen Skandal hält Anca Damian mit ihrem Animationsfilm „Crulic – Weg ins Jenseits“ lebendig. Der zentrale Kunstgriff ist, dass Claudiu Crulic (gesprochen von Vlad Ivanov) selbst erzählt, als Toter, der mit einem Leichenpass mit der Nummer 007 in seine Heimat überführt wird. Schritt für Schritt geht Anca Damian die Momente durch, in denen Rettung möglich gewesen wäre, bis die Welt um den kollabierenden Crulic zusammenbricht – eine Erfahrung, die sich so eben nur als Animation darstellen lässt, wobei das Verfahren hier einen bedrückend melancholischen Doppelsinn bekommt.    

Text: Bert Rebhandl

Foto: Mouna Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Crulic – Weg ins Jenseits“ im Kino in Berlin

Crulic – drumul spre dincolo, Rumänien/Polen 2011; Regie: Anca Damian; 72 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 16. Januar

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