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„Dallas Buyers Club“ im Kino

Dallay Buyers Club

Texas anno 1985: Ron Woodroof stellt so etwas wie einen Inbegriff amerikanischer Männlichkeit dar. Mit tiefer Stimme (von den Drinks und den vielen Zigaretten) reißt er mit seinen Kumpanen derbe Witze, er verdient ein wenig Geld als Elektriker, vor allem aber mit Wetten beim Rodeo, an dem er selbst als Reiter teilnimmt. Danach vergnügt er sich mit leichten Mädchen hinter den Verschlägen, in denen gerade noch die langhörnigen Rinder mit den Hufen gescharrt hatten. Ron Woodroof lebt ein wildes Leben, und bei seinem Konsum an harten Sachen darf es eigentlich niemanden wundern, dass er einen hartnäckigen Husten nicht loszukriegen scheint. Und ziemlich ausgemergelt sieht er eigentlich auch aus.
Das alles hat einen konkreten Grund, den ihm die Ärzte in einem Krankenhaus eines Tages recht unvermittelt eröffnen. Ron ist HIV-positiv. Was das 1985 bedeutete, das macht der Film „Dallas Buyers Club“ nachdrücklich klar: Nur „Schwuchteln“ („faggots“) bekamen diese Krankheit. Und Ron Woodroof ist mit Sicherheit keine Schwuchtel. Er ist es allerdings so überdeutlich nicht, dass es schon wieder auffällig ist. Es gibt nicht wenige Momente in „Dallas Buyers Club“, in denen man den Eindruck bekommen könnte, der ganze Staat Texas wäre auf homophobe Kompensation gebaut.
Das hat aber vor allem damit zu tun, dass es sich hier um ein soziales Drama handelt, dem gerade an jener Eindeutigkeit gelegen ist, zu der sich das richtige Leben so selten aufrafft. Für Ron Woodroof bedeutet dies, dass er im Verlauf der Geschichte mehr oder weniger die Seite wechseln muss: von wütender Ablehnung zu umsichtiger Akzeptanz und zu der Sorge um sich selbst, die Voraussetzung ist, dass er statt der prognostizierten paar Wochen noch einige Jahre leben kann.
Matthew McConaughey hat für diese Rolle, für die es ein Vorbild im richtigen Leben gibt, beträchtlich abgenommen – eine Anstrengung, der deutlich die Ambition auf einen Oscar anzusehen ist. Und auch die Inszenierung zielt in jeder Sekunde auf jene genau stereotypisierte Dramenform, die in Hollywood als erbaulich und lebensecht gilt. Der echte Woodroof war ein Held, weil er gegen die Bürokraten und die Pharmaindustrie für vernünftige Medikation sorgte. Dieses Verdienst wird durch „Dallas Buyers Club“ verewigt, allerdings für den Preis einer Darstellung wie aus einem schlechten Motivationsseminar.

Text: Bert Rebhandl

Foto: 2013 Ascot Elite Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Dallas Buyers Club“ im Kino in Berlin

Dallas Buyers Club, ?USA 2013; Regie: Jean-Marc Valйe; Darsteller: Matthew McConaughey (Ron Woodroof), Jared Leto (Rayon), Jennifer Garner (Dr. Eve Saks); 117 Minuten; FSK 12

Kinostart: 6. Februar

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