• Kino & Stream
  • Daniel Auteuil in „Ich habe sie geliebt“ im Kino

Kino & Stream

Daniel Auteuil in „Ich habe sie geliebt“ im Kino

Sie kann aber auch eine Vergewisserung sein, dass das Herz einmal eine heroische Epoche erlebte, in der es über die Kleinmütigkeit hinauswuchs. Ebenso kann sie ein Alibi sein, eine Rechtfertigung für die verfehlte Hingabe an das eigentliche Leben, in dem man sich längst nicht mehr oder gar nie zu Hause fühlte.
Wenn der Unternehmer Pierre (Daniel Auteuil) eines Nachts seine Liebe zu Mathilde (Marie-Josйe Croze) beschwört, lassen sich
Verklärung und Gewissensbisse kaum voneinander trennen. Es ist eine merkwürdige Anordnung von Trost und Katharsis, die die Schauspielerin Zabou Breitman aus dem Roman von Anna Gavalda in ihre dritte Regiearbeit übertragen hat: Als Pierres Schwiegertochter von seinem Sohn verlassen wird, gesteht er ihr seinen eigenen Ehebruch. Die Herausforderung an Aufmerksamkeit und Empathie, die diese moralische Erzählung darstellt, nimmt Breitman nur halbwegs an; ihre inszenatorische Sensibilität steht Claude Lelouch näher als Claude Sautet. Aber nicht nur dank Daniel Auteuil gelingen ihr unvergessliche Szenen, vor allem der verstörende Drehbuchkniff, der romantischen Rückblende die Eröffnung der Ehefrau voranzustellen, die von der Affäre wusste, aber ihr gemeinsames Leben auf keinen Fall aufgeben will.

Text: Gerhard Midding

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Ich habe sie geliebt“ im Kino in Berlin

Ich habe sie geliebt (Je l’amais), Frankreich 2009; Regie: Zabou Breitman; Darsteller: Daniel Auteuil (Pierre), Marie-Josйe Croze (Mathilde), Florence Loiret-Caille (Chloй); Farbe, 99 Minuten

Kinostart: 30. Juli

Mehr über Cookies erfahren