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„Daniel Schmid – Le chat qui pense“ im Kino

Daniel Schmid - Le Chat qui pense„Das Sichtbare des Menschen ist viel geheimnisvoller als das ­Unsichtbare“, sagt der Schweizer Regisseur Daniel Schmid in die Kamera von Pascal Hofmann und Benny Jaberg. Mit diesem Satz ließe sich auch das Konstruktionsprinzip von „Daniel Schmid – Le chat qui pense“ beschreiben. Dabei war ursprünglich ein ganz ­anderer Film geplant, eine Gemeinschaftsarbeit mit Schmid, den Pascal Hofmann von den Skipisten im heimatlichen Flims kannte, bevor er noch einen seiner Filme gesehen hatte.
Doch Schmid starb 2006, und so ist ist ein dokumentarisches ­Ensemblestück über ihn entstanden, über Filme und Freundschaften. Schmid zog wegen der Freiheit nach Berlin und wegen Fassbinder nach München, er lebte in Paris in einer Wohngemeinschaft mit Ingrid Caven und Werner Schroeter, der ihm verschmitzt „Divensucht“ attestiert. „Fremdbeschreibung ist immer auch Selbstbeschreibung“ sagt Schmid zu Beginn dieses Porträts. Hoffmann und Jaberg, Absolventen der Züricher Kunsthochschule, sind in ihrem Abschlussfilm mutig genug, auf faktische Festlegungen zu verzichten. Entlang eines chronologischen Gerüsts oder eher noch im Sinne der Linearität einer Revue werden heterogene Materialen – Filme, zeitgenössisches Dokumentationsmaterial, historische und postume Interviews – zu einer undidaktischen Collage zusammengesetzt. ­Diese Dokumentation, die das Leben eines Träumers und Filmbesessenen skizziert, ist informativ im anspruchsvollen Sinne des intuitiven Zugangs zu einem hochsubjektiven künstlerischen Gestus.
Die Inszenierung steht demütig zurück hinter der Sogkraft der Bilder aus Schmids Filmen und Operninszenierungen. Ein stimmiger Film über Kunst und Leben, Liebe und Tod, in dem allerdings den Versprechungen des Titels zum Trotz keine Katze vorkommt. Wobei eine denkende Katze in jedem Fall ein gelungenes Emblem ist für Schmids Obsession mit der Unsicherheit des Sichtbaren, denn vielleicht schläft sie ja nur. In jedem Falle bietet sie ein schönes Bild.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Daniel Schmid – Le Chat Qui Pense“ im Kino in Berlin

DANIEL SCHMID – LE CHAT QUI PENSE, Schweiz 2010; Regie: Pascal Hofmann, Benny Jaberg; 85 Minuten

Kinostart: 2. September

Die Tilsiter Lichtspiele zeigen zum Start eine kleine Daniel-Schmid-Werkschau. www.tilsiter-lichtspiele.de

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