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„Dark Shadows“ im Kino

Dark Shadows

Dass vor dem Herrenhaus Collinswood ein großes Feld mit Kürbissen wächst, ist natürlich kein Zufall: Bei Tim Burton ist immer gerade Halloween. Im Grunde funktionieren seine Filme stets nach dem gleichen Prinzip: Mit erfrischend makabrem Humor vermengt der amerikanische Regisseur fantastische Handlungselemente und „Gothic Horror“ in immer neuen Variationen zu düster-romantischen Geschichten, in denen reichlich skurrile Figuren in finstere Abgründe schauen.
Das ist auch in „Dark Shadows“ nicht anders, Burtons Kinoadaption einer US-Fernsehserie der späten 1960er-Jahre, in der der von einer Hexe aus Eifersucht zum Vampir gehexte Barnabas Collins (Johnny Depp) –  zweihundert Jahre nachdem er untot begraben wurde – bei Bauarbeiten im Jahr 1972 zufällig wieder ausgebuddelt wird. Er trifft in seinem mittlerweile ziemlich heruntergekommenen Herrenhaus auf die Nachfahren seiner ebenso heruntergekommenen Familie (darunter die immer tolle Michelle Pfeiffer), versucht sich an Glamrock, zugedröhnte Hippies und grässliche Designsünden zu gewöhnen, und begegnet einer Wiedergängerin seiner großen Liebe, die sich einst von einer Klippe gestürzt hatte. Leider aber lebt auch die Hexe Angelique (Eva Green) noch, die an allem Unglück schuld ist, so dass sich das schreckliche Schicksal von Barnabas und seiner Geliebten zu wiederholen droht.
Wohl bedingt durch das Vorbild der TV-Serie (die bei uns nie gelaufen ist) bietet der Film ein ganzes Arsenal an schrägen Figuren auf, mehr als „Dark Shadows“ eigentlich sinnvoll verkraften kann. Ständig produziert die Geschichte deshalb lose Fäden, verliert Handlungsstränge und Charaktere auch mal aus den Augen und erzeugt das Gefühl, dass nicht jeder Einfall wirklich in der bestmöglichen Weise präsentiert wird. Doch das klingt viel schlimmer, als es tatsächlich ist: Auch in der lockeren Aneinanderreihung von albernen Scherzen und hochdramatischen Gefühlen, von erotischen Abenteuern, übersinnlicher CGI-Action und verspieltem Retrochic bleiben Burton und Hauptdarsteller Johnny Depp rundum souverän und so absurd-witzig wie sie es schon immer waren. Und so kann man sich durchaus prima amüsieren über Hippies, die zweihundert Jahre währende Trips bestaunen, Liebeserklärungen an gebärfreudige Becken, und Barnabas‘ Reaktion auf Karen Carpenter im Fernsehen: „Komm heraus, Du Zwergensängerin.“ Irgendwie wirkt diese neue Reise in die Burtonschen Obsessionen selbst wie ein Trip: Man muss schon aufpassen, dass man das Kino nicht sinnlos vor sich hin kichernd verlässt.

Text: Lars Penning

Foto: Warner Bros.

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Dark Shadows“ im Kino in Berlin

Dark Shadows, USA 2012; Regie: Tim Burton; Darsteller: Johnny Depp (Barnabas Collins), Michelle Pfeiffer (Elizabeth Collins Stoddard), Helena Bonham Carter (Dr. Julia Hoffman); 112 Minuten; FSK 12

Kinostart: 10. Mai

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