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Das 3D-Kino kehrt zurück

Monsters vs. AlienEr ist ein ziemlich unangenehmer Typ und er will die Weltherrschaft: Der Außerirdische namens Gallaxhar will die Menschheit auslöschen, Rohstoffe einsammeln, den Planeten umbauen, bitte das nicht persönlich nehmen, das ist alles nur Geschäft. Schlechte Karten für die US-Regierung, weil Außerirdische nur in Amerika aufschlagen und Galaxhars Kampf­roboter hochhaushoch und wohl auch unzerstörbar ist. Einsatz für die letzten Verteidiger der USA, die „Monster,“ die für so einen Fall in den letzten 50 Jahren von der Army eingesammelt wurden und nun die Welt retten sollen. Oder wenigstens das Kino, in 3D.
Glaubt man Jeffrey Katzenberg, dem langjährigen Disney-Funktionär, der 1994 mit Steven Spielberg und David Geffen Dreamworks gegründet hat und heute Chef von Dreamworks Animation ist, dann markiert „Monsters vs. Aliens“ nichts weniger als den Beginn einer neuen Kino-Ära. Katzenberg ist als Produzent Ani­mationsfilm-Experte, aber auch lautstarker Befürworter neuer 3D-Technik: Seit Jahren wirbt er auf Messen und Pressekonferenzen in aller Herren Länder für dreidimensionales Kino. Dafür kommt Katzenberg dann auch nach Berlin. Im Adlon steht er Rede und Antwort, draußen mag es nieseln, aber die Hollywood-Größe, in seinen Disney-Tagen als knallharter Manager mit unterdurchschnittlicher Impulskontrolle und überdurchschnittlichem Gedächtnis gefürchtet, gibt sich freundlich. Nur gelegentlich verfinstert sich der Blick – Schlenker im Gespräch oder Fragen, ob er sich nach „Waltz With Bashir“ auch neue amerikanische Erwachsenen-Animationsfilme vorstellen könnte, mag er nicht. Das führt von seinem Thema weg – und das heißt 3D. „Monsters vs. Aliens“, schon in 3D produziert und nicht nur auf 3D aufgehübscht, ist laut Katzenberg der Auftakt für eine umfassende Neuorientierung. „Wir waren in der Lage, 3D-Bilder in einer technischen Perfektion zu erreichen, die vor wenigen Jahren nicht vorstellbar schien“, sagt Katzenberg. „Dazu kommt die digitale, ungeheuer präzise Projektion, die Qualität der 3D-Brillen. All das verbindet sich nach meiner Ansicht zur größten Veränderung des Kinoerlebnisses seit der Einführung des Farbfilms. Für so gewichtig halte ich diese Neuerung.“ Und das soll, so Jeffrey Katzenberg, eben nur der Anfang sein. „Je mehr die Zuschauer sehen, welche Reize die neue 3D-Technik beinhaltet, desto größer wird die Nachfrage sein. Und, ja, in wenigen Jahren wird 3D den Großteil der Filmbesucher stellen – nicht unbedingt den Großteil der Filme.“
Dieser Glaube an die technische Innovation entspringt auch knallhartem, wirtschaftlichem Kalkül. In Zeiten von Blu-ray und High Definition, Beamern und Plasmabildschirmen, bei immer kürzeren Auswertungszeiten, die den Filmstart nicht selten nur noch zur PR-Aktion für die schnelle, lukrative DVD-Veröffentlichung machen, droht das Kino zunehmend seine Hauptrolle zu verlieren: Film wird öfter daheim gesehen. In den USA ist man etwas weiter, mit besonderen Vorführkonzepten konnten schon imposante Umsätze erzielt werden. Blockbuster auf der übergroßen IMAX-Leinwand lassen sich amerikanische Zuschauer gerne mehr kosten, und anders als hierzulande sieht man in den USA in IMAX-Kinos schon lange nicht mehr nur Natur-Dokus oder optische Spielereien: „The Dark Knight“ enthielt schon auf IMAX-Film gedrehte Passagen. Und auch die 3D-Versionen von Spielfilmen bringen immer öfter schon mehr Geld als die Massenfassung
in konventionellem 2D ein. In Amerika sind bislang zwar von knapp 37.000 Leinwänden nur 4600 für digitale Projektion ausgestattet und davon wiederum nur 2000 auch 3D-fähig, doch die Tendenz ist stetig steigend. 3D soll auch Anreiz sein, in den kostspieligen Digital Rollout, die Umstellung auf Digital-Vorführung, zu investieren. Und 3D soll Kino wieder zum Spektakel machen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 08/09 auf den Seiten 26-29.

Text: Thomas Klein

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