Kino & Stream

Das Arsenal geht neue Wege

Stefanie Schulte Strathaus

tip Frau Schulte Strathaus, seit Kurzem bietet das Arsenal – das seit dem Jahr 2008 als Institut für Film und Videokunst firmiert – Filme aus dem eigenen Verleih auch beim Online-Video-on-Demand-Vertrieb realeyz an. Ist das ein Verrat an der Cinephilie – oder ihre zeitgemäßeste Form?
Stefanie Schulte Strathaus Ganz sicher kein Verrat. Es ging beim Arsenal immer schon darum, verborgene Filme sichtbar zu machen: Filme aus unbekannteren Produktionsländern, experimentelle Formen, Dokumentarfilme, Underground und vieles mehr, das abseits der offiziellen Filmgeschichtsschreibung liegt. Die Situation hat sich aber sehr verändert. Kino ist heute überall Bestandteil der Kultur und Medien. Umgekehrt haben es die Filme, die uns am Herzen liegen, schwerer denn je, im Kino ihr Publikum zu finden. Wir haben sie ja im Verleih, wollen nun aber auch neue Wege gehen. Die Aufgabe bleibt also dieselbe: Wir wollen durch kuratorische Vermittlungsarbeit Blickschneisen schaffen. Dabei reagieren wir mit Video on Demand auf die Veränderung der Landschaft. Das Internet ist da nicht die einzige, aber eine wichtige Option.

tip Warum fiel die Wahl auf realeyz – und wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Stefanie Schulte Strathaus realeyz schien uns wirklich ideal: ein Partner vor Ort, direkt in der Kreuzberger Nachbarschaft, mit einer weltweit zugänglichen Plattform. Wir haben dort einen eigenen Channel für unsere Video-on-Demand-Filme, den haben wir jetzt mit drei Filmen gestartet: Zwei davon sind von der Regisseurin Angelika Levi, die in den 80er-Jahren an der DFFB studiert hat. Außerdem „Super Art Market“, einen Dokumentarfilm über den Kunstmarkt . Es wird jeden Monat ein Film dazukommen, und zwar nicht nur Berliner Produktionen, sondern auch internationale Filme. Der Großteil der Einnahmen geht dabei an die FilmemacherInnen.

tip Denken Sie, dass sich mit dem neuen Verleihweg eine andere, jüngere Zielgruppe erreichen lässt? Leute, die bisher so leicht nicht den Weg ins Arsenal finden?
Stefanie Schulte Strathaus Es geht uns dabei nicht in erster Linie um ein jüngeres Publikum. Das wichtigste Merkmal ist, denke ich, eher ein spezifisches Interesse am Film. Das unterscheidet sich nicht unbedingt vom vertrauten Kino Arsenal. Und das Internet nutzen mittlerweile doch recht viele … Wichtig ist uns das Angebot einfach als weiterer Zugangsweg zu den Filmen, die wir mögen und denen wir auf diese Weise helfen wollen, Verbreitung zu finden.

Interview: Ekkehard Knörer

www.realeyz.tv

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