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Propaganda

Das Babylon Mitte zeigt den Skandalfilm „Smolensk“

Geht‘s noch, Herr Grossman? Erst lässt der Geschäftsführer des Kino Babylon Mitte, im Januar den Club der Polnischen Versager das Propagandamachwerk „Smolensk“ kritisch präsentieren, nur um einen Monat später den Film unter umgekehrten Vorzeichen erneut zu zeigen – im Dienste der polnischen Regierung

Foto: Beek100, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Foto: Beek100, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Am 10. Februar lädt der Botschafter der ­Republik Polen in Deutschland, ­seine Exzellenz Prof. Andrzej Przyłebski ein. Der berüchtigte Publizist Bronisław Wildstein, ein stramm rechtsaußen stehender Ideologe des Kaczynski-Regimes, spricht anschließend. Hat Herr Grossman ein Angebot bekommen, das er nicht ausschlagen konnte und ist ihm die politische Dimension seiner Entscheidung egal oder wurde politischer Druck ausgeübt? Vermutlich geht es nur um das Geld. Dabei haben bereits Ende 2016 zwei andere Berliner Kinos, darunter das Delphi, eine Vorführung des Films zu Propagandazwecken abgelehnt. Trotz lukrativer Angebote seitens der Polnischen Botschaft. Eine Haltung, zu der man im Babylon Mitte offensichtlich nicht fähig war.

Kurze Erläuterung: Der Film „Smolensk“ von Antoni Krauze behandelt die Flugzeugkatastrophe vom April 2010, bei der neben dem polnischen Präsidentenpaar über 90 weitere, großteils hochrangige Vertreter aus der polnischen Politik, dem Mili­tär und der Gesellschaft umkamen. Diese Tragödie spaltete nachhaltig das Land. Während der liberale Teil sich der auch von einer Expertenkommission bestätigten Erklärung eines tragischen Unglücks aufgrund schlechter Wetterverhältnisse anschloss, konstruierten rechte Dema­gogen eine Verschwörungstheorie, deren Kernaussage aus „Die Russen waren es“ besteht. Mit dem „Smolensk-Mythos“ als einer identifikationsstiftenden Ideologie errang die PiS-Partei von Jaroslaw Kaczynski bei den letzten Parlamentswahlen die absolute Mehrheit, mit der sie im letzten Jahr die demokratischen Fundamente Polens demontierte.

„Smolensk“ liefert die Bilder zu diesem Mythos, der Film ist eine Art polnischer „Jud Süß“. Ein Machwerk. Krauze inszeniert auf handwerklich plumpe und ideologisch unverschämte Art die Verschwörungstheorie, und Botschafter Przyłebski behauptet tatsächlich, der Film würde der Wahrheit recht nahe kommen. Das muss man sich vorstellen, indirekt behauptet der Botschafter Polens, Putin hätte das polnische Staatsoberhaupt ermorden lassen. „Smolensk“ als Staatsräson ist nicht nur irre, sondern auch gefährlich.

Die kritische Aufführung durch den Club der Polnischen Versager war notwendig und sinnvoll. Denn schnell wurde nach den Absagen der Berliner Kinos der Vorwurf laut, man würde den Film in Deutschland zensieren wollen. Dass dies nicht der Fall war, bewiesen die Versager auf charmante Weise. Dass nun der Film in einer geschlossen Veranstaltung im zumindest teilweise steuerfinanzierten Babylon Mitte zur propagandistischen Selbstbehauptung des paranoiden PiS-Dogmas wird, ist ein Skandal! Wo sind die Grenzen fragt man sich, kommt demnächst Björn Höcke ins Babylon, wenn er genug bezahlt?

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