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„Das Bildnis des Dorian Gray“ im Kino

Angesichts seines Porträts entfährt dem jungen Mann ein Stoßseufzer: Ach, würde nur das Bildnis statt seiner altern, und er selbst wäre frei, sich hemmungs-, vor allem aber folgenlos den Genüssen des Lebens hinzugeben. Unbedacht hat Dorian Gray seine Seele verkauft und fortan zeigt bekanntlich sein Bildnis die Zeichen seiner Laster, während er selbst in strahlender Schönheit dem Verderben anheim fällt.
Seiner Ausgangsidee zum Trotz ist Oscar Wildes einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ keine reine Gruselgeschichte, sondern vielmehr die kunstvolle Verhandlung des angespannten Verhältnisses zwischen Moral und Ästhetik, Hedonismus und Verantwortung. Oliver Parker legt den Schwerpunkt seiner Verfilmung — es ist, nach „An Ideal Husband“ und „The Importance of Being Earnest“, seine dritte Wilde-Adaption — auf die Horror-Elemente des Stoffes und aktualisiert Wildes Diskussion des Ästhetizismus als Kritik an Jugendwahl und Schönheitskult. Heraus kommt ein nicht sonderlich tiefgründiger, dafür atmosphärischer Kostümfilm, der die erneute Lektüre des Buches nahe legt.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Das Bildnis des Dorian Gray“ im Kino in Berlin

Das Bildnis des Dorian Gray (Dorian Gray), Großbritannien 2009; Regie: Oliver Parker; Darsteller: Ben Barnes (Dorian Gray), Colin Firth (Lord Henry Wotton), Rebecca Hall (Emily Wotton); Farbe, 112 Minuten

Kinostart: 15. April

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