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„Das Bourne Vermächtnis“ im Kino

Das Bourne Vermächtnis

Es ist meist kein gutes Zeichen, wenn das Schlüsselpersonal einer populären Filmreihe aussteigt: Für Matt Damon und Regisseur Paul Greengrass war die Geschichte von Jason Bourne nach drei Filmen auserzählt. Chance und Herausforderung für „Bourne Vermächtnis“-Regisseur Tony Gilroy. Der hatte sich als Drehbuchautor oft mit den „Bourne“-Machern gestritten und inzwischen selbst zwei hübsch vertrackte Filme inszeniert. Ob Gilroy aber ohne Damon im Alleingang für einen guten Neustart der Reihe würde sorgen können, musste zunächst offenbleiben.
Doch Gilroy erweist sich als gewiefter Erzähler mit beachtlichem visuellem Gespür. Der erste Teil des neuen Films spielt dabei parallel zum letzten: Während Jason Bourne in London und New York den Geheimdienstapparat ins Wanken bringt, absolviert sein Kollege Aaron Cross (Jeremy Renner) sein Solo-Training am Yukon in Alaska. Dass er biochemisch optimiert wurde, ist für Cross kein Problem, solange er nur die grünen und blauen Pillen bekommt, die ihn körperlich wie intellektuell in Höchstform halten. Doch als Bourne das ganze Netzwerk aus schmutzigen Programmen mit Namen wie Outcome, Beta oder Larx gefährdet, ziehen die Verantwortlichen (eisig: Edward Norton, steinern: Stacy ­Keach) die Notbremse. Die Daten und Formeln für Genmanipulationen und „Virus-Therapien“ behalte man, nur das Personal müsse jetzt weg. Das macht nicht nur Cross, sondern auch die Wissenschaftlerin Marta Shearing (Rachel Weisz) zu Gejagten. Der Agent hilft der Forscherin, weil ihm die Tabletten ausgehen. Ihr bleibt keine andere Wahl.
Mit kurzen Ausschnitten und Gastauftritten gelingt Gilroy der Anschluss an die „Bourne“-Vorgänger; nach einem unübersichtlichen Einstieg wird sein Film ein packender, intelligenter Verschwörungsthriller mit überzeugenden Hauptdarstellern. Szenen wie der angebliche Amoklauf im Labor, der alle Kollegen von Shearing auslöscht, oder ihr späteres Verhör daheim, bei dem man ihr ans Leben will, sind spektakulär und verstörend. Nur am Ende kommt Tony Gilroy doch ins Stolpern: Eine ausladende Verfolgungsjagd durch Manila wirkt unpassend und überzogen, das Schlussbild ist nur eine flaue Kopie vom „Bourne Identität“-Finale.

Text: Thomas Klein

Foto: Mary Cybulski / Universal Pictures

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Das Bourne Vermächtnis“ im Kino in Berlin

Das Bourne Vermächtnis (Bourne Legacy), USA 2012; Regie: Tony Gilroy; Darsteller: Jeremy Renner (Aaron Cross), Rachel Weisz (Marta), Edward Norton (Byer); 135 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 13. September

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