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Das düstere Drama „God Man Dog“ im Kino

God Man DogDa ist zum Beispiel das Yuppie-Ehepaar aus Taipeh. Die Frau leidet an einer schweren postnatalen Depression, der Mann gerät durch privaten und beruflichen Stress an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Auf der anderen Seite dann ein armes Ehepaar auf dem Lande, die beiden schlagen sich mit Müllsammeln und Zulieferdiensten durch, der Mann ist hoffnungslos alkoholkrank. Schließlich ist da auch noch der einsame, chronisch hungrige Junge, der als blinder Passagier im Gepäck­raum von Autobussen durchs Land reist. Insgesamt acht Personen werden durch den Crash in Mitleidenschaft gezogen.
God Man Dog“ ist ein düsterer, oft verstörender Film – und ein überaus faszinierender. Mit einer Fülle metaphorischer Bilder, tiefgründiger Thematik, rätselhafter Hundesymbolik und Momenten purer Filmmagie. Eine sozial- und kulturkritische, komplex komponierte Kino-Rhapsodie mit Tris­tesse als Grundton. Der christlich-buddhistische Religionskonflikt in Taiwan, die Kluft zwischen Arm und Reich, der Verlust familiärer Bindungen sowie das Leiden an spiritueller Leere dienen als Leitmotive.
Die 1974 in Taipeh geborene Regisseurin Singing Chen zeigt, wie forciert die Christianisierung in ihrer Heimat vorangetrieben wird, während der Buddhismus an Boden verliert, weil er nicht zum globalen Kapitalismus passt. Materielle Gottessymbole – Kruzifixe, kitschige Götterstatuen – sieht man allerorten im Film. Doch als Kraftspender scheinen sie ebenso nutzlos wie das elektrische Fitnessgerät zum Lauftraining daheim, das eine täglich hart arbeitende Landfrau am Ende beim Preisausschreiben gewinnt.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Sehenswert

God Man Dog, Taiwan 2007; Regie: Singing Chen; Darsteller: Tarcy Su (Ching), Jack Kao (Yellow Bull); Farbe, 119 Minuten

Kinostart: 30. April

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