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Das Eiszeit-Kino feiert 30. Geburtstag

Suzan Beermann

tip Frau Beermann, mit welchem Film wurde das Eiszeit-Kino vor 30 Jahren eröffnet??
Suzan Beermann Das weiß ich auch nicht, vor 30 Jahren war ich noch gar nicht dabei. Damals hat Heinz Hermann das Programm gemacht. Im Mittelpunkt standen bei ihm eher Kurzfilme, Super-8 und 16mm-Programme und Performances.

tip Das erste Eiszeit-Kino war ja in Schöneberg.
Suzan Beermann Genau, in einem besetzten Haus in der Goebenstraße, danach ging es in die Waldemarstraße, wo man zusammen mit den Sputnik-Leuten Kino gemacht hat, und von dort in die Zeughofstraße, wo wir heute spielen.

tip Wie hat sich das Konzept für das Kino über die Jahre verändert?
Suzan Beermann Anfang der 90er-Jahre haben wir gemerkt, dass das so nicht weitergehen kann. Wir haben begonnen, ein ganz normales Programm zu machen, wobei wir eher Sachen gezeigt haben, die damals wirklich noch nicht so bekannt waren, zum Beispiel die ersten Tarantino-Filme in der OmU-Fassung. In dieser Zeit haben wir auch das erste türkische Filmfest gemacht, natürlich auch mit Filmen in den Originalfassungen. Das waren so meine Anfänge.

tip Und wo liegt für Sie heute der Programmschwerpunkt?
Suzan Beermann Natürlich versuche ich aktuelle Filme zu bekommen, aber für ein Kino wie das Eiszeit wird das immer schwerer. In den Nebenschienen bemühe ich mich um Filme zu tagesaktuellen Themen und Fragestellungen. Wegen Fukushima zeigen wir zum Beispiel jetzt gerade japanische Filme. 50 Cent des Kartenpreises spenden wir an das japanische Rote Kreuz.

tip Was geht im Eiszeit gar nicht?
Suzan Beermann Alles, was rassistisch, sexistisch, antisemitisch ist, bleibt draußen und – auch wenn es sich altmodisch anhört –, wenn es antifeministisch ist. Blanke Busen und blanke Ärsche ohne inhaltlichen Zusammenhang zeigen wir hier nicht.

tip Wie stark wandelt sich denn das Profil der Besucher?
Suzan Beermann Das Publikum hat sich in den letzten fünf Jahren stark verändert. Wir gehören zum Wrangelkiez, in den in den letzten Jahren vor allem viele junge Leute gezogen sind. Da sind wir noch ein bisschen am Ausprobieren, was die gerne sehen wollen.

tip Ist die Eiszeit-Zukunft digital?
Suzan Beermann Wir werden auch digital sein, aber hoffentlich können wir weiter analog Filme vorführen, denn viele Sachen, die wir zeigen, gibt es so eben nur auf 35mm.

tip Ihre Wünsche für die Zukunft?
Suzan Beermann Weiter bestehen! Ob es aber 30 Jahre sein müssen, weiß ich nicht, ich bin schon 55.

Interview: Nicolaus Schröder

Foto: David von Becker

Das Eiszeit wird 30, Eiszeitkino, Fr 22. 4. bis So 24.4.; Jubiläumsprogramm mit Muppets, Country, „Iwan dem Schrecklichen“ und Performances

www.eiszeitkino.de

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