Roadmoviewestern

„Das Ende ist erst der Anfang“ im Kino

Das Ende ist erst der Anfang weiß Bouli Lanners

Foto: Kris Dewitte

Zwei angegraute Desperados sind in einer abgefuckten Gegend mit ihrem hier über­dimensioniert wirkenden Pickup unterwegs. Eine flache Landschaft, die mal an ein Weltuntergangsszenario, mal an die rauen Weiten des Westerns erinnert. Die Outlaws Cochise und Gilou sollen im Auftrag eines Gangsters dessen geklautes Handy orten, darauf befinden sich justiziable Details. Im Besitz des Handys sind zu Beginn Esther und Willy, ein schräges junges Liebespaar, das an das baldige Weltenende glaubt und vorher Esthers Tochter besuchen will. Und noch jemand treibt sich hier herum: Jesus.
Dass er genretypische Aspekte mit einer ­lakonischen Geschichte zu verquicken weiß, das hat der belgische Schauspieler, Autor und Regisseur Bouli Lanners schon 2008 mit seinem wunderbaren Roadmovie „Eldorado“ gezeigt. Wie er nun selbst den herzkranken Gilou spielt, dazu diese entwurzelten Menschen aufeinanderprallen lässt, das ist vieles: komisch, melancholisch, bizarr, unvorhersehbar – und mitunter gewalttätig. Denn die skurrilen Helden bekommen es mit den tumben örtlichen Schlägern zu tun, dem Cowboymob eines Westerns nicht unähnlich. Dazwischen flicht Lanners Endzeitstimmung, christliche Motive, einen trockenen Humor – und philosophische Sätze wie „Das Leben bedeutet mehr als nur zu atmen“. Dazu Gastauftritte der beiden großen alten Mimen Max von Sydow und Michael Lonsdale – fertig ist ein Kino­erlebnis der ungewöhnlichen Art, in schwelgerischen Breitwandbildern.

Les premiers les derniers (OT) B/F 2016, 97 Min., R: Bouli Lanners, D: Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément, Start: 11.5.

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