Drama

„Das etruskische Lächeln“ im Kino

Positiv gesagt könnte man diesen Film altmodisch nennen, durchzogen von einer nostalgischen Weltsicht, die ein beschauliches Leben auf einer schottischen Insel in jeder Beziehung angenehmer erscheinen lässt als ein Dasein in San Francisco

Constantin

Auf besagter Insel lebt Rory (Brian Cox), der täglich nackt im Meer badet, Whisky in rauen Mengen trinkt und auch sonst jedes Klischee eines bärbeißigem Unikums erfüllt. In San Francisco dagegen lebt Rorys Sohn Ian (JJ Feild), der als angehender Molekular-Koch mit spießiger Frau, die das gemeinsame Baby in extremster Helikopter-Manier erzieht, als das genaue Gegenteil Rorys etabliert wird. Seit Jahren haben sich Vater und Sohn nicht gesehen, nun prallen beim Besuch des Vaters Welten aufeinander, zwei Arten der Lebensführung, zusätzlich verkompliziert durch eine schlimme Krankheit Rorys.

Welche dieser beiden Weltsichten das Regie-Duo Mihal Brezis und Oded Binnun für die einzig wahre hält, das ist vom ersten Moment an überdeutlich, und dank des grundsympathischen Brian Cox gelingt es auch fast, über das mehr als schlichte Weltbild dieses Films hinwegzusehen. Mit zunehmender Dauer mutet es jedoch immer befremdlicher an, mit welcher Einfalt das traditionelle und das moderne Leben gegeneinander ausgespielt werden. Was möglicherweise auch daran liegt, dass der ursprünglich in Italien spielende Roman von zwei israelischen Regisseuren nach Schottland und in die USA verlegt wurde. Wie reine Projektion mutet das Bild des raubeinigen Schotten, der gern trinkt, aber das Herz am rechten Fleck hat, dadurch an, wie eine altmodische Fantasie, die ein überkommenes Weltbild verbreitet, wie es längst nicht mehr existiert und vermutlich nie existiert hat.

The Etruscan Smile USA 2018, 110 Min., R: Mihal Brezis & Oded Binnun, D: Brian Cox, JJ Feild, Start: 12.4.

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