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Das Festival „Böse Musik“ im Haus der Kulturen der Welt

Narco Cultura

Haben Sie schon einmal Johnny Cashs „Ring of Fire“ zeitgleich mit einem Metallica-Song in der Lautstärke eines Presslufthammers abgespielt?
Im Film „Musik als Waffe“ wird diese Mischung schon nach 20 Sekunden nervtötend. Nicht vorstellbar, wie das Medley in einer zehnstündigen Dauerschleife auf den Verstand wirkt. Im Jahr 2003 wurde bekannt, dass das amerikanische Militär Häftlinge in Guantanamo mit solchen Methoden systematisch „verhört“ hat – Musik als Folterinstrument. 
Die Dokumentation von Tristan Chytroschek, 2012 mit dem International Emmy Award ausgezeichnet, folgt dem Komponisten der „Sesamstraße“, Christoph Cerf, auf seiner Suche nach Ursprung und Funktionsweise dieser perfiden Taktiken. Auch Cerfs Lieder wurden genutzt, um die Gefangenen mürbe zu machen und Geständnisse zu erreichen. Der Film lässt Folteropfer, Verhörexperten und Soldaten der US-Armee zu Wort kommen und zeichnet ein beängstigendes Bild moderner Foltermethoden.

Weiterlesen: Über die Musik beim Festival „Böse Musik“

Das Haus der Kulturen der Welt veranstaltet im Zuge des Anthropozän-Projektes die viertägige Veranstaltungsreihe „Böse Musik. Oden an Gewalt, Tod und Teufel“ und zeigt neben diversen Konzerten, Installationen, Lesungen und Performances noch drei weitere Filme, die sich auf verschiedene Weise mit negativen Seiten von Musik auseinandersetzen. So etwa zeigt der Regisseur Shaul Schwarz in „Narco Cultura“ (siehe Bild oben) die Popkultur in der mexikanischen Stadt Ciudad Juбrez, die an das texanische El Paso grenzt. Hier dominieren Drogenbosse das gesellschaftliche Leben, deren Wohlstand von den ländlichen Norteсo-Musikern mit Lobeshymnen besungen wird – wenngleich die Machenschaften der ansässigen Drogenkartelle jedes Jahr Tausende Tote fordern. „The United States of Hoodoo“ dagegen folgt den Spuren mystischer Musik, bis in die Voodoo-Hauptstadt New Orleans. In „Blut muss fließen“ geht Regisseur Peter Ohlendorf der rechten Musikszene um Bands wie „Störkraft“ auf den Grund – ein Film, der die erschreckende Sogkraft der Neonazi-Szene aufdeckt und bedauerlicherweise bisher nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wurde.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

Böse Musik. Oden an Gewalt, Tod und Teufel
Do 24.10.–So 27.10 im Haus der Kulturen der Welt, ?John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten

Fr 25.10. „The United States of Hoodoo“, 15.30 Uhr, Eintritt frei
Sa 26.10. „Blut muss fließen“, 15.30 Uhr, Eintritt frei
Sa 26.10. „Musik als Waffe“, 18 Uhr, Eintritt frei?
So 27.10. „Narco Cultura“, 14.30 Uhr, Eintritt frei

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