Mystery-Thriller

„Das Geheimnis von Neapel“ im Kino

Abgerissen, grimmig, arm – als Matteo Garrone 2008 mit „Gomorrha“ ins mafiöse Neapel abtauchte, förderte das starke Eindrücke zu Tage, die einem beim Gedanken an die Stadt bis heute in den Sinn kommen. Zu diesem drastischen Realismus erscheint Ferzan Özpeteks „Das Geheimnis von Neapel“ nun wie ein Gegengift.

Prokino Filmverleih

Der italienisch-türkische Regisseur („Männer al dente“) schwelgt mit seinen hochglänzenden Bildern in der (architektonischen) Schönheit Neapels, schweift in Eindrücken der bis in die Antike zurückreichen Kunst und Kultur und sucht in dieser Stadt, die hier bevölkert ist von manch exzentrischer Gestalt, eine Aura des Geheimnisvollen.

Zentrale Figur ist dabei Adriana (Giovanna Mezzogiorno), eine alleinstehende Gerichtsmedizinerin, die sich mit einem äußerst attraktiven Fremden auf eine leidenschaftliche Nacht einlässt. Als sich die beiden danach wiedersehen wollen, taucht er aber nicht am verabredeten Treffpunkt auf. Stattdessen landet ihr Liebhaber kurze Zeit später als Mordopfer auf ihrem Seziertisch. Was sich nach der ersten Begegnung noch als erotischer Liebesfilm andeutet, häutet sich so schnell zu einer Mischung aus Krimi, Drama und Thriller, die um Adrianas schmerzvolle Sehnsüchte und Geister der Gegenwart und Familienvergangenheit kreist.

Özpetek lädt seinen Film dabei mit allerlei Motiven und Symbolen auf, wobei – wie auch in der recht konstruierten Handlung – einiges uneindeutig und rätselhaft bleibt. Dennoch, und trotz der starken Giovanna Mezzogiorno, will „Das Geheimnis von Neapel“ darüber keinen stärkeren, atmosphärischen Sog entwickeln und bleibt so letztlich doch nur ein mäßig anregendes, bisweilen prätentiös wirkendes Spiel mit dem Mysteriösen.

Das Geheimnis von Neapel I 2017, 113 Min., R: Ferzan Özpetek, D: Giovanna Mezzogiorno, Alessandro Borghi, Peppe Barra, Start: 16.8.

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