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„Das Herz von Jenin“ im Kino

Das Herz von JeninDas Herz von Jenin“ ist eine bewegende Dokumentation über die Absurdität der israelischen Wirklichkeit – und über die Handlungsspielräume, die dem Einzelnen darin offenstehen. Der Film des schweizerisch-israelischen Regieteams, dessen Zusammenarbeit auf den Berlinale Talent Campus 2006 zurück­geht, folgt dem Palästinenser Ismael Khatib auf einer schmerzhaften Reise durch Israel. 2005 war Khatibs zwölfjähriger Sohn Ahmed im Flüchtlingslager von Jenin von Soldaten erschossen und seine Organe mit Zustimmung der Eltern israelischen Kindern gespendet worden. Nun möchte er diese Kinder treffen.
Ismael Khatib selbst, der charismatische, schwermütige Vater, hat eine Vergangenheit im militärischen Widerstand gegen die Besatzung, wodurch das Bild nochmals komplexer wird. Der Film findet darauf eine kluge formale Antwort mit seiner nur sehr grob chronologischen Struktur, seinen Sprüngen zwischen Orten und Medien, zwischen dem besetzten Jenin und der Altstadt von Jerusalem, den Straßenszenen und Wohnzimmern, den Fernsehberichten und Heimvideos. So wird die Geschichte immer vielschichtiger, die scheinbar einfache, zutiefst humane Geste des geschenkten Lebens immer vertrackter.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Das Herz von Jenin (The Heart of Jenin), Israel/Deutschland 2008; Regie: Leon Geller und Marcus Vetter; Farbe, 89 Minuten

Kinostart: 7. Mai

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