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„Das ist schon ein Wunder“

tip: Herr Rother, Ende Juni ist eine Schnittversion von Fritz Langs „Metropolis“ wieder aufgetaucht, die endgültig verschollen geglaubte Filmsequenzen enthält. Sie konnten diese Filmfassung bereits sehen. Welche Bedeutung hat das gefundene Material?
Rainer Rother: Vor allem führt es dazu, dass der Rhythmus des Filmes wieder intakt ist. Und man versteht die Konstruktion besser, weil Nebenhandlungen, die doch ganz entscheidende Bedeutung haben, wieder repräsentiert sind. „Metropolis“-Figuren wie „Der Schmale“, Josaphat oder Georgy, die nur kurz auftauchten und wieder im Film verschwinden, sind nun wieder integriert.


Rainer Rother/Foto: Harry Schnitger
tip: Wie ist denn der Zustand des Materials?
Rother: Wir haben ja nur eine DVD des Materials gesehen, die wahrscheinlich noch einmal in der Bildqualität schlechter ist, als das Ausgangsmaterial. Man kann sagen, das das von einer sehr, sehr abgespielten Kopie gezogen worden ist, die Bildqualität ist also ziemlich betrüblich. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass die Vollständigkeit nun erreicht ist. Das wird für die Restaurierung, die die Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung ja schon angekündigt hat, sicher noch einige ganz schwierige Entscheidungen bedeuten.

tip: Jetzt war die Deutsche Kinemathek, der sie vorstehen, maßgeblich in die erste Gutachtersichtung involviert. Welche Rolle wird die Stiftung denn weiter spielen?
Rother: Die Restaurierung ist Aufgabe der Murnau Stiftung, die werden das auch tun. Sie haben angekündigt, dass sie das mit den gleichen Partnern tun werden, wie 2001 – sprich mit Enno Patalas und Martin Koerber. Über Martin Koerber, der ja für die Deutsche Kinemathek arbeitet, sind wir da dann auch involviert.


Metropolis
tip: Wem gehört das Material?
Rother: Das Material selber, also die Kopie, gehört dem Museo del Cine in Buenos Aires. Man muss auch sagen, dass nicht wir, sondern die Direktorin Paula Fйlix-Didier das Material entdeckt hat. Die Rechte an dem Film selber gehören der Murnau Stiftung. Und die Murnau Stiftung wird sich jetzt, aber das ist eine ganz übliche Prozedur, mit dem Archiv in Verbindung setzen und die Konditionen, unter denen das Material zur Verfügung gestellt wird, verhandeln.

tip: Was sind nun die nächsten Schritte? Die Murnau Stiftung übernimmt die digitale Restaurierung?
Rother: Das muss man auch die Murnau Stiftung fragen, da will ich mich gar nicht einmischen. Sicher wird es in irgendeiner Form auf eine digitale Restaurierung hinauslaufen, weil man ja das, was vorhanden ist, jetzt durch weitere Umkopierung nicht unbedingt weiter verschlechtern will.

tip: Wie oft kommt so etwas vor, abgesehen von der Bedeutung dieses besonderen Films? Wird die Stiftung oft damit konfrontiert, dass tatsächlich verschollen geglaubtes Material bei vielleicht weniger populären Filmen wieder auftaucht?
Rother: Es taucht schon immer wieder etwas auf. Aber dass bei so einem Film wie „Metropolis“, bei dem die meiste Mühe und die größte intellektuelle Anstrengung für die Restaurierung verwendet wurde, dass so ein Fund auftaucht – das kommt eigentlich nicht vor. Das ist schon ein Wunder.


Interview:
Robert Weixlbaumer

Brigitte Helm bei den Dreharbeiten zu

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