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„Das Kabinett des Dr. Parnassus“ im Kino

Bei Terry Gilliam ist die Liste seiner nicht realisierten Filme ebenso interessant wie die der tatsächlich gedrehten, und für einen Augenblick sah es so aus, als würde auch „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ nach dem Tod des Hauptdarstellers Heath Ledger während der Dreharbeiten ein Torso bleiben. Doch wie Baron Münchhausen, der Held eines früheren Gilliam-Films, zog sich der Filmemacher am eigenen Schopf aus dem Schlamassel.
Ledgers Part übernahmen in drei Fantasy-Sequenzen Freunde des Verstorbenen (Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell) – was blendend funktioniert, geht es dabei doch um die verschiedenen Gesichter des von Ledger verkörperten undurchsichtigen Tony.
Jener wird eines Nachts von der fahrenden Truppe des Dr. Parnassus davor bewahrt, sich unter einer Londoner Brücke zu erhängen. Tony behauptet, er habe sein Gedächtnis verloren, aber das darf man ihm nicht unbedingt glauben. Dafür gelingt es ihm, neue Kunden anzulocken, die sich in das Kabinett des Dr. Parnassus hineintrauen. Könnte sein Geschäftssinn das sieche Unternehmen retten?
Dabei steht viel auf dem Spiel, denn der alte Parnassus hat einst einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Jetzt rückt der Zahltag näher, der 16. Geburtstag seiner Tochter, die dann dem Fürsten der Finsternis gehören wird. Doch der erweist sich zum Glück als eine Spielernatur und offeriert Parnassus eine weitere Chance: Gelingt es ihm, innerhalb von drei Tagen fünf Seelen in seinem „Imaginarium“ auf seine Seite zu ziehen, hat er gewonnen. Doch der joviale Mr. Nick (Tom Waits), wie der Teufel hier heißt, ist fest entschlossen, das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden.
Hinter dem Vorhang von Parnassus’ Kabinett erwartet die Besucher eine Fantasiewelt, in der sie mit ihren eigenen Ängsten und Wünschen konfrontiert werden. Dabei wird die Illusion dieser computergenerierten Welt aufgebrochen durch die Verwendung von handgebastelten Elementen, die an Terry Gilliams Animations-Anfänge bei der britischen Komikertruppe Monty Python’s Flying Circus erinnern. Denn anders als nach Perfektion strebende Regisseure wie James Cameron oder Steven Spielberg reflektiert Gilliam immer wieder auch die Natur der Illusion. Das macht ihn so einzigartig.

Lesen Sie hier: Regisseur Terry Gilliam im Gespräch

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ im Kino in Berlin

Das Kabinett des Dr. Parnassus (The Imaginarium of Dr. Parnassus), Großbritannien/Frankreich/Kanada 2009; Regie: Terry Gilliam; Darsteller: Heath Ledger (Tony), Christopher Plummer (Dr. Parnassus), Tom Waits (Mr. Nick); Farbe, 122 Minuten


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