Märchenverfilmung

„Das kalte Herz“ im Kino

Neuinterpretation des Hauffschen Märchens „Das kalte Herz“

Das kalte Herz Deutschland 2016 Regie: Johannes Naber, Foto: Weltkino

Kohlbrenner und Glasmacher: Der eine Beruf ist dreckig, der andere macht schöne Dinge. Und so ist es auch mit Peter Munk und Lisbeth Löbl: Der junge Mann sollte sich die schöne Tochter des Glasmachers am besten gleich aus dem Kopf schlagen, denn sie ist nicht in seiner Liga.
So würde man das damals nicht formuliert haben, in der urwüchsigen Vorzeit, in der Wilhelm Hauff sein Märchen „Das kalte Herz“ spielen ließ – ein mittelalterliches Ungefähr im finsteren Schwarzwald, in dem alle so ein bisschen wild sind.
Johannes Naber („Zeit der Kannibalen“) hat sich diesen Stoff vorgenommen, und darin wohl vor allem zwei Aspekte gesehen. Den einen betont er deutlich, es geht um das soziale Gefälle, um die Perspektive, die jemand wie Peter Munk auf die da oben hat. Der andere Aspekt betrifft etwas, was es im deutschen Kino selten gibt: ein Element von Fantasy für Erwachsene. Da hat Naber einige schöne Einfälle, insgesamt aber bleibt seine Version (die DEFA hat 1950 bereits eine Adaption gemacht, die mit Tricktechnik gefiel) ein wenig unentschlossen zwischen den denkbaren Möglichkeiten hängen: Die aufklärerische Barbarei einer Serie wie „Game of Thrones“ ist der eine Fluchtpunkt, ein biederer Märchenrealismus der andere. Ein Unterschied wie der zwischen ­Kohlbrenner und Glasmacher.

Das kalte Herz D 2016, 119 Min., R: Johannes Naber, D: Frederick Lau, Henriette Confurius, Moritz Bleibtreu, Start: 20.10.

Bewertungspunkte3

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