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So wird das Kinojahr 2012

The Muppets

23 lautet die Sequel-Zahl, die dieses Jahr nicht zu überbieten ist. Weder von der alten Highschool-Clique um Jason Biggs, die für „American Pie: The Reunion“ (5.4.) zum vierten Mal zusammenkommt. Und nicht von den „Men in Black“ Will Smith und Tommy Lee Jones, die nach langer Auszeit zur dritten Außerirdischen-Jagd ansetzen (24.5.). Nein, es ist James Bond, der nach der MGM-Pleite mit einiger Verzögerung 2012 endlich zum 23. Mal antritt: Unter der Regie von Sam Mendes wird Daniel Craig in „Skyfall“ (1.11.) in M’s Vergangenheit forschen.
Damit hält Bond uneinholbar den Fortsetzungsrekord im Blockbuster-Sequeljahr 2012. Wenn Erfolgsrezepte ausgeschlachtet werden und etwa Milla Jovovich in „Resident Evil 5“ (20.9.) erneut Zombies zerschnetzelt, sind keine kreativen Höhenflüge zu erwarten, aber wie bei Silvester Stallones Retro-Actioner „The Expendables 2“ (30.8.) – mit seinen verwitterten 80er-Jahre-Helden von Schwarzenegger bis Chuck Norris – immerhin großes Trash-Vergnügen.
Manchmal wird aber auch das ungeschriebene Gesetz der Serie außer Kraft gesetzt, nach dem eine Filmreihe mit jeder Fortsetzung einfallsloser und schlechter wird. Vor allem nach Christopher Nolans furiosem Batman-Doppelschlag ist die Hoffnung groß, dass sich der Regisseur mit dem Trilogie-vollendenden „The Dark Knight Rises“ noch einmal überbieten kann. Auch die bisherigen drei Filme der „Bourne“-Agentenaction hielten weitgehend das Spannungs- und Qualitätslevel.
Doch wird das in „Bourne Legacy“ (13.9., Regie: „Bourne“-Autor Tony Gilroy) auch ohne Matt Damon gelingen? Weil der nur unter Mitwirkung von Regisseur Paul Greengrass dabei sein wollte, hat Jeremy Renner vorerst Damons Geheimdienst-Erbe angetreten. Ein kompletter Neustart, ein sogenanntes „Reboot“, wurde derweil dem Marvel-Superhelden Spider Man in „The Amazing Spider-Man“ (5.7.) verordnet – und das, obwohl der erste Teil von Sam Raimis herausragender Comic-Trilogie keine zehn Jahre alt ist.
Bei den Muppets war ein Neustart überfällig. Zwölf Jahre ist es her, dass Jim Hensons legendäre Showpuppen mit den „Muppets aus dem All“ auf der Suche nach Gonzos Wurzeln ihren Kinotiefpunkt erlebten und fortan nur noch in bestenfalls mittelmäßigen Fernsehspecials auftauchten. Vor allem dem Engagement des enthusiastischen Jason Segal („How I met your Mother“) ist es nun zu verdanken, dass Kermits Truppe für „The Muppets“ (19.1./Foto) frisch revitalisiert wieder eine Show auf die Beine stellt und damit an ihre besten Zeiten anknüpfen kann – rührig nostalgisch, clever und mit frechem Witz.
Die handgemachten Muppets sind eine Ausnahme unter den vielen computeranimierten Familytainment-Sequels von 2012: In „Madagascar 3“ (2.10.) befindet sich die bekannte Zootierbande auf der Flucht durch Europa und in „Ice Age 4“ (2.7.) versuchen Sid, Scrat und Co., die Ermüdungserscheinungen des dritten Teils vergessen zu machen.
In eine vertraute Welt taucht auch Peter Jackson ab, um nach „Der Herr der Ringe“ mit „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ (13.12.) Tolkiens Vorgeschichte im Auenland zu verfilmen. Ein zweiteiliges und flop-resistentes Blockbuster-Event für die nächsten beiden Jahre, nachdem sich Harry Potter bereits verabschiedet hat und auch die Teenager-Vampir-Romantiksäuselei der „Twilight“-Verfilmungen mit „Breaking Dawn 2“ (22.11.) 2012 endgültig ihrem Ende entgegen dämmert.

Text: Sascha Rettig

Foto: Scott Garfield / Disney Enterprises

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