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„Das Konzert“ im Kino

Wer im Kino das Unmögliche möglich machen will, sollte über einen gehörigen Realitätssinn verfügen. Aber welcher Zuschauer wird auch nur für eine Minute Vertrauen in einen Plan setzen, der im Internetzeitalter schon mit ein, zwei Klicks als Schwindel entlarvt werden kann?
Ein zu Breschnews Zeiten geschasster und nun zum Raumpfleger degradierter Dirigent trommelt seine verstreuten Ex-Kollegen zusammen, die als Bolschoi-Orchester ein Gastspiel in Paris geben sollen. Wie dieser undisziplinierte Haufen den Auftritt ohne Proben auf Weltklasseniveau bestreiten soll, kümmert Radu Mihaileanu wenig. Unfassbar, wie wenig Elan dieser Regisseur für seine selbstgestellten, erzählerischen Herausforderungen aufbringt! Das Unternehmen wird zwar mit schlitzohriger Nonchalance eingefädelt („Die Pässe fälschen wir beim Check-in!“), mündet allerdings in einer Kaskade ermüdender Komplikationen, sobald die Russen wie ein Schwarm Heuschrecken in die Seine-Metropole einfallen.
Mihaileanu, der in seine Shoah-Komödie „Zug des Lebens“ so viele jüdische Klischees hineinpresste, dass es den Tatbestand des Antisemitismus erfüllt, ist auch diesmal nicht um folkloristische Gemeinplätze verlegen. Dem eigenen Leichtsinn traut er jedoch bald nicht mehr so recht über den Weg, sondern versucht, der Pariser Eskapade Gewicht zu verleihen, in dem er ein rührseliges Nachgefecht des Kalten Krieges austrägt.

Text: Gerhard Midding

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Das Konzert“ im Kino in Berlin

Das Konzert (Le Concert), Frankreich/Belgien/Italien/Rumänien 2009; Regie: Radu Mihaileanu; Darsteller: Alexei Guskow (Andreп Filipov), Dmitri Nasarow (Sacha Grossman), Mйlanie Laurent (Anne-Marie Jacquet); 122 Minuten

Kinostart: 29. Juli

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