Mafia-Drama

„Das Land der Heiligen“ im Kino

In Kalabrien, der Region ganz im Süden ­Italiens, heißt die Mafia nicht Mafia oder Cosa Nostra, sondern ’Ndrangheta. Ihr Einfluss­bereich ist global, aber hier ist sie verwurzelt, hier haben die Bosse das Sagen bis in die privatesten Bereiche der Menschen.

Foto: Kairos

Das muss zu Beginn von Fernando Muracas „Das Land der Heiligen“ auch Assunta Bevi­lacqua erfahren, eine schöne, ­selbstbewusste Frau, Mutter und Witwe Mitte 30. Sie wird mit Nando verheiratet, einem mittleren Chargen, dem sie sich widerwillig überlässt. ­Assunta ist innerlich zerrissen, denn sie sieht für sich und ihre Söhne keine Chance außerhalb der Familie, aber sie will auch nicht, dass ihre Söhne – der eine ist 17, der andere 7 – in diese ­Familie hineinwachsen. Trotzdem schaltet sie erst einmal auf stur, als die neue Richterin sie befragt. Vittoria will das Milieu von der Wurzel her bekämpfen, und das sind nun einmal die familiären Loyalitätsverhältnisse.
Sie verfällt auf einen klugen Schachzug: ­Indem sie Assunta das Sorgerecht entziehen lässt, sorgt sie für einen Gewissenskonflikt, den Fernando Muraca am Ende seines Films in einer direkten Konfrontation der beiden Frauen auf die Spitze treibt. In fahlen Farben und mit einem deutlichen Akzent auf seinen beeindruckenden Darstellerinnen erzählt Fernando Muraca einmal mehr vom Kampf der Institutionen gegen eine Gewalt, die sich als das eigentliche Italien ausgibt.

Terra dei santi (OT) I 2015, 81 Min., R: Fernando Muraca, D: Valeria Solarino, Lorenza Indovina, Damiela Marra, Ninni Bruschetta, Start: 22.6.

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