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„Das Leben gehört uns“ im Kino

Das Leben gehört uns

Es geht um alles in dieser Geschichte. Sie handelt von einem Wettrennen gegen die Zeit. Der Erzählgestus dieses Films ist die Dringlichkeit. Von seinen ersten Bildern an, die laufende Frauenbeine zeigen, stimmt er den Zuschauer auf einen Rhythmus der Atemlosigkeit ein. Zunächst folgt der Film dem Rausch einer schönen Verliebtheit, dann ergreift ein anderer Rausch von seinen Figuren Besitz, ein erster, sorgenvoller, fast verzweifelter. Züge müssen erreicht, blitzschnell getroffene Verabredungen mit Ärzten eingehalten werden. Bei dem Lauf, von dem das „Das Leben gehört uns“ erzählt, dürfen Tempo und Ausdauer keine Gegensätze sein. Er dauert mehrere Lebensjahre.
„Es wird Sie überraschen angesichts dieser Geschichte“, sagt Drehbuchautor Jйrйmie Elkaпm, „aber wir haben sie uns immer als einen Abenteuerfilm vorgestellt, einen, in dem die Figuren die Hände nie lange in die Tasche stecken können.“ Valйrie Donzelli, die Regisseurin, führt seinen Gedanken fort: „Die Momente des Durchatmens sollten selten und kostbar sein.“ Das Abenteuer, von dem ihr gemeinsamer Film handelt, haben sie beide durchlebt. Der Film beruht auf einem Tagebuch, dass Donzelli über die Krankheit ihres gemeinsamen Sohnes geführt hat. Auf der Leinwand ist daraus das Märchen einer Katastrophe geworden.
Bei dem anderthalbjährigen Adam wird ein Hirntumor entdeckt. Die Eltern hasten von einem Spezialisten zum nächsten. Die Operation ist zwar ein Erfolg, die Lebenserwartung des Kleinen liegt jedoch nach Ermessen der Ärzte bei fünf Jahren. Aber Romйo (Elkaпm) und Juliette (Donzelli) geben nicht auf. Sie leisten erbitterten Widerstand gegen den Tod. „La Guerre est dйclarйe“  (Der Krieg ist erklärt) heißt der Film im Original; nicht nur, weil man einmal im Fernsehen sieht, wie die US-Truppen beginnen, den Irak zu bombardieren. Vieles in diesem Film wird beglaubigt durch die eigenen Erlebnisse der beiden Filmemacher, aber nicht alles. „Unsere erste Entscheidung war, keinen Film über unsere eigene Geschichte zu erzählen“, erklärt Donzelli, „sondern über ein Paar, das ein Abenteuer durchlebt, auf das sie das Leben zuvor nicht vorbereitet hat. Aber natürlich haben wir auf eigene Erfahrungen bei diesem Kampf, unsere Erlebnisse in Krankenhäusern und mit Ärzten, zurückgegriffen. Deshalb war es wichtig, ihn in einem dokumentarischen Stil zu drehen, mit viel Originalton und einer Kamera, die spontan reagiert.“ Ihr Film weiht den Zuschauer in Vertrauliches ein, enthüllt ihm schmerzhaft intime Momente, ist aber auf entschiedene Weise Fiktion. „Für uns stand fest, dass er nicht autobiografisch werden durfte, keine Nabelschau“, pflichtet Elkaпm seiner Partnerin bei. „Wir mussten die richtige Distanz finden, wollten Figuren erfinden, die wir selbst gern spielen würden.“

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