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„Das Leben ist zu lang“ im Kino

Das Leben ist zu lang

Fünfzehn Jahre nach einem großen Erfolg will der Filmemacher Alfi Seliger endlich wieder einen Film machen. Er hat auch schon eine tolle Idee: Eine Komödie über den „Karikaturenstreit“, mit der er der ganzen Welt zeigen kann, dass Humor die beste Waffe im Kampf gegen das falsche Bewusstsein ist. Mit dem Drehbuch zu „Mohahammed“ stürzt Alfi sich in das Gewühl der deutschen Filmbranche, und er geht in Dani Levys neuer Komödie „Das Leben ist zu lang“ fast darin verloren. Auf der Party eines wichtigen Produzenten beginnt ein surrealer Horrortrip, an dessen Ende der ganz normale Wahnsinn des familiären Alltags mit Frau, Sohnemann und naseweiser Tochter geradezu erstrebenswert erscheinen muss. Nach „Alles auf Zucker“ und „Mein Führer“ wendet sich Dani Levy seinem eigenen Medium zu und stellt sich mit „Das Leben ist zu lang“ in die große Tradition der selbstreflexiven Filme von Federico Fellinis „8 1/2“ bis Woody Allens „Stardust Memories“. Daraus ergibt sich eine beträchtliche Spannweite, bei der Levy zwischen guten Gags und billiger Klamotte das ganze Register der einschlägigen Themen durcharbeitet – inklusive einem kurzen Auftritt in eigener Gestalt. Während Markus Hering als Alfi dem Film ein glaubwürdig-dussliges Zentrum gibt, dünnt die Komik an den Rändern aus – zahlreiche Cameos von Heino Ferch bis Katja Riemann (und eine wenig lustige Schlampenrolle für Veronica Ferres) wirken bloß wie Skizzen zu einem großen Sittenbild, das vor der eigenen Schärfe immer wieder zurückschreckt.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Nik Konietzky

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Das Leben ist zu lang“ im Kino in Berlin

Das  Leben ist zu lang, Deutschland 2010; Regie: Dani Levy; Darsteller: Markus Hering (Alfi Seliger), Meret Becker (Helena), Veronica Ferres (Natasha); 87 Minuten

Kinostart: 26. August

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Dani Levy

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