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Das Musical „Nine“ auf der Berlinale 2010

tip Die Musical-Adaption „Nine“ erzählt angelehnt an Fellinis „8 1/2“ davon, wie sich Künstler aus ihrem Leben bedienen, um die Filmkunst zu füttern. Finden Sie sich in Ihren Rollen wieder?
Penйlope Cruz Ich spiele in „Nine“ zwar keine Künstlerin, doch ich stecke vor der Kamera ganz gewiss auch alles hinein, was ich an persönlicher Lebenserfahrung habe. Das können durchaus egois­tische Motive sein. Ich habe etwa in meiner Kindheit als Ballerina trainiert und musste wegen einer Verletzung aufhören. Die Tanzchoreografie in „Nine“ nun war sehr kompliziert, aber ich habe Doubles abgelehnt. Auch wenn mir von den Seilen, an denen ich durch die Gegend schaukele, irgendwann die Hände bluteten. Doch ich wollte diese eine Nummer perfekt hinbekommen, verstehen Sie? Auch wenn Sie mich nie auf einer Broadway-Bühne finden werden, denn ich könnte so viel Leistung niemals täglich abrufen.
Judi Dench Es ist immer auch persönlich – und zugleich entwickelt man einen Schutzschild, der für die Figuren im Film zum Teil löchrig geworden ist. Meine einzige Referenz für „Nine“ war ein Auftritt in einer Londoner Inszenierung von „Cabaret“ –, und ich weiß noch, wie sehr es mich geärgert hat, wenn ich mir die Seele aus dem Leib sang und im Publikum einen entdeckte, der gelangweilt aussah. Eine Unverschämt­heit, aber was soll man machen? (lacht)

tip Können Ihnen Rollen auch psychologisch so nahegehen, dass das Privatleben aus den Fugen gerät?
Kate Hudson Das wäre ein gutes Thema für den Therapeuten. Aber was wäre dabei? Ein Job am Schreibtisch kann einem auch mal das Leben versalzen.
Marion Cotillard Die Antwort fällt sicher individuell aus. Ich spiele die betrogene Frau von Daniels Hauptfigur Guido, die zugleich auch Schauspielerin ist, und daher brauchte ich viel Konzentration, um all ihre Gesichter zeigen zu können. Genähert habe ich mich ihr über ihren Schmerz, denn sie wird wieder und wieder verletzt, während sie den Mut aufbringt, sich zu trennen. All das geschieht unter einer lächelnden Fassade, doch der Schmerz war immer dabei und hat mich für die Dauer der Dreharbeiten fraglos verletzlicher gemacht, als ich es sonst bin. Aber wenn das der Preis ist, zahle ich ihn gern.

tip Die Qualitäten von Daniel Day-Lewis als Method Actor sind legendär. Was unterscheidet ihn von seinen Kollegen, und wie gefährlich ist er als Verführer?
Cruz (lacht) Sehr gefährlich. Ich könnte ihn nicht mit so viel schönen Frauen allein lassen.
Hudson Bei solch tollen Frauen als Gesellschaft wäre mir irgendein Guido völlig egal!
Kidman Ich glaube, wir sind alle professionell genug, um Daniels Schauspielerei von seiner Persön­lichkeit zu trennen, obwohl er natürlich ein absolut unwiderstehlicher Verführer sein kann. Unmöglich, auch nur eine Spur seiner Figur aus „There Will Be Blood“ wiederzufinden. Wenn man mit ihm dreht, wird man durch seine Hingabe und Passion fortwährend daran erinnert, was diesen Beruf überhaupt ausmacht. Es ist wie ein Rausch, einen solch talentierten Mann beobachten und sich inspirieren lassen zu können.
Cotillard Er hält dieses Level des künstlerischen Anspruchs schon so lange. All die Jahre, schon zwei Oscars. Und trotzdem knicken seine Standards und seine Energie nie ein.
Cruz Ich war extrem nervös, bevor ich ihn traf, weil man all diese Geschichten hört. Eines Tages war ich am Set und übte eine Choreografie, als ich diesen Mann sah. Er trug einen Anzug, stand im Schatten und schaute zu – zwei Stunden lang. Ich erkannte ihn nicht mal. Doch es war Daniel, und man sagte mir, dass er immer am Set sei und die Arbeit seiner Kollegen beobachte. Immer direkt, nie am Monitor.
Hudson Man lernt unglaublich viel. Mir hat er nach Szenen Nachrichten geschickt, die er als Guido unterschrieb – kleine Komplimente für eine Performance, die der nächsten Szene eine Extradosis Feuer gaben.

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