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„Das Orangenmädchen“ im Kino

Die Vorlage: ein reichlich redseliger Coming-of-Age-Roman des norwegischen Kinder- und Küchenphilosophen Jostein Gaarder über den Einfluss eines alten Briefes auf die Gegenwart.
Der Film: die sorgfältig und liebevoll erzählte Geschichte einer Annäherung, die viel vager und luftiger, allerdings auch etwas sentimentaler daherkommt als das Buch. Das Wechselspiel zwischen dem etwas ungelenken 15-jährigen Ich-Erzähler Georg und dem Brief seines vor zehn Jahren verstorbenen Vaters über das geheimnisvolle Orangenmädchen wird als doppelte Passage erzählt: Georg wandert auf Skiern von Oslo durch den Schnee in die Berge, um einen Kometen zu beobachten, während sein Vater Jan Olaf seiner Liebe nach Sevilla nachreist. Landschaften, Licht, Farben sind prominente Akteure, die der leuchtenden Kraft der Erinnerung gegenüber der winterlichen Kälte der Gegenwart zu ihrem Recht verhelfen.
Dabei kostet der Film die unsicheren Zwischenräume aus, verwischt die zeitgeistigen Markierungen, verlegt die schrillen 80er Jahre – sehr zum Vorteil des ästhetischen Gesamteindrucks – in ein ausstatterisches Ungefähr zwischen heute und den 1960ern.
Der gediegen-romantische Indie-Soundtrack und die ironiefreie Solidarität mit seinen Protagonisten qualifizieren „Das Orangenmädchen“ eher für ein jüngeres Publikum – oder als vorweihnachtlich-besinnlichen Familienfilm.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Das Orangenmädchen“ im Kino in Berlin 

Das Orangenmädchen (Appelsinpiken), Norwegen/Spanien/ Deutschland 2009; Regie: Eva Dahr; Darsteller: Annie Dahr Nygaard (Orangen­mädchen), Mikkel Bratt Silset (Georg), Harald Thompson Rosenstrшm (Jan Olav); Farbe, 80 Minuten

Kinostart: 10. Dezember

Premiere in Anwesenheit von Bestseller-Autor Jostein Gaardner, Kino in der Kulturbrauerei, Di 08.12.09, ab 20.15 Uhr. Im Anschluss an den Film: Publikumsgespräch. 

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