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Das Rachedrama „Revanche“ im Kino

RevancheEine junge ukrainische Prostituierte kommt, weil sie im Fluchtauto eines Bankräubers sitzt, durch die Schüsse eines Polizisten zu Tode. Der Flüchtige nimmt, um Vergeltung zu üben, anonym Kontakt zu dem Todesschützen auf – und findet einen in Selbstvorwürfe Verstrickten, Verzweifelten vor: ein Spiegelbild des Rachesüchtigen, der sich nähert, ohne die Sache zu überstürzen.
Wie eine Versuchsanordnung hat Regisseur und Autor Götz Spiel­mann „Revanche“ konstruiert: Jeder Schritt verändert die Umstände, greift ins Spiel der Affekte ein. Die Vergeltung, die der Titel nahelegt, wird aus Liebe ins Auge gefasst. Man kann hier studieren, wie Spannung im Erzählkino funktioniert: wie das Vorenthalten von Information drama­tische Felder eröffnet, wie sich Machtkonstellationen un­merklich verschieben und ungeahnte neue Situationen ergeben.
In zwei Lebenswelten spielt dieser Film; von der Stadt geht die Story aus, und sie endet auf dem Land, im österreichischen Waldviertel, wo der Polizist mit seiner Frau lebt. Die Figuren in Spielmanns existenziellem Drama sind Melancholiker, aus guten Gründen oder aus Prädisposition: Der we­gen seines Fehlschusses verzweifelte Polizist trauert wie sein Wi­dersacher um die junge Frau – und beide sehen keine Möglichkeit, sich mitzuteilen. Die Wandelbarkeit der Natur zwischen Idylle und dunkler Macht spielt in „Revanche“ eine Hauptrolle (exzellente Kamera: Martin Gschlacht). In diesen Naturschauplätzen wird die Monotonie der desperaten Exis­tenzen in „Revanche“ umso plastischer: Immer wieder führt Spielmann seine Helden im Nebel, im Regen, im Halbdunkel am Bauern­hof seines Großvaters vor, beim Holzhacken, das einer Triebabfuhr ähnlicher sieht als simpler Arbeitsroutine.
Spielmann macht wenig Worte, lässt lieber die Blicke seiner Protagonisten und die Andeutungskraft seiner Bilder spielen.
So wandelt sich der Film von der Halbweltstudie in einen bedächtigen Psychothriller, nimmt strenge, schlüssige Form an. Spielmanns Figuren sind in unaufhörlicher Bewegung, auf der Suche nach – und der Flucht vor – sich selbst.

Text: Stefan Grissemann
Foto: Lukas Beck

tip-Bewertung: Sehenswert

Revanche Österreich/Deutschland 2008; Regie: Götz Spielmann; Darsteller: Johannes Krisch (Bankräuber), Andreas Lust (Polizist), Ursula Strauss (Ehefrau); Farbe, 121 Minuten

Kinostart: 12. Februar 2009

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