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„Das Schiff des Torjägers“ im Babylon Mitte

Jonathan Akpoborie in Der Name Jonathan Akpoborie dürfte heute nur eingefleischten Fußballfans noch etwas sagen. Der Nigerianer hatte Mitte der 1990er Jahren als Stürmer des Regionalligisten Stuttgarter Kickers erstmals von sich reden gemacht, als er mit 37 Toren in 32 Spielen Torschützenkönig wurde und sich danach Liga um Liga hochzuarbeitete und schließlich auch in der Bundesliga beim VfB Stuttgart und beim VfL Wolfsburg zum Toptorjäger avancierte. Für sein Heimatland bestritt der Stürmer 12 Länderspiele, ehe seine Karriere als Balltreter im April 2001 abrupt endete.
Grund für die fristlose Kündigung beim VfL Wolfsburg war eine erschütternde Schiffsmeldung aus dem zentralafrikanischen Benin. Dort hatten die Behörden eine Fähre gestoppt, die hunderte Kinder nach Gabun bringen sollte, um sie dort als Sklaven zu verkaufen. Das Schiff „Etireno“ war nach Akpobories Mutter benannt und befand sich zu der Zeit im Besitz des Fußballers.
Die Schweizer Filmemacherin Heidi Specongna hat sich in ihrem Dokumentarfilm „Das Schiff des Torjägers“ auf die Spur der Beteiligten gemacht. Sie lässt dabei nicht nur den ehemaligen Fußballprofi – dessen Schuld an den Vorgängen nie nachgewiesen werden konnte – zu Wort kommen, sondern hat auch zwei der Kinder aufgespürt, die damals auf der Fähre waren. Herausgekommen ist eine Suche nach Schuld, Mitschuld und Unschuld. Specongna wertet nicht, sondern lässt die Beteiligten unkommentiert zu Wort kommen. Sie interessiert sich für die Schicksale hinter der bloßen Nachricht und schafft dadurch berührende, aufwühlende Momente ohne dabei in Sentimentalität zu verfallen – etwa wenn sich die mittlerweile jungen Erwachsenen Adakou und Nouman das erste Mal seit der Schiffsfahrt wieder sehen. Indem Specongna den Bogen vom modernen Fußballbetrieb zum Sklavenhandel spannt, ist der Schweizerin eine beeindruckende Dokumentation über die Handelsware Mensch gelungen.
Präsentiert vom Fußballfilmfestival 11mm feiert „Das Schiff des Torjägers“ seine Berlin-Premiere im Babylon Mitte in Anwesenheit von Regisseurin Heidi Specogna und Jonathan Akpoborie.

Text: Martin Zeising

Das Schiff des Torjägers, Berlin-Premiere in Anwesenheit von Heidi Specogna und Jonathan Akpoborie, Babylon Mitte, Mo 08.11., 20 Uhr

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