DDR-Drama

„Das schweigende Klassenzimmer“ im Kino

Zeichen des ­Widerstands: „Das schweigende Klassenzimmer“ setzt ein Zeichen der Solidarität

Studiocanal/ Julia Terjung

Stalinstadt, das heutige Eisenhüttenstadt, im Jahr 1956. Dass in Ungarn gerade ein Aufstand gegen die sowjetischen Besatzer stattfindet, das erfahren die Abiturienten und DDR-Bürger Kurt (Tom Gramenz) und Theo (Leonard Scheicher) aus der Kino-Wochenschau – bei einem ihrer Ausflüge nach West-Berlin. Idealist Kurt und Lebemann Theo beschließen, ihre Klasse davon zu überzeugen, eine solidarische Schweige­minute im Unterricht für das ungarische Volk einzulegen, nur einige wenige wie der gerne ausscherende Erik (Jonas Dassler) äußern Bedenken. Doch die eigentlich recht harmlose Aktion zieht umgehend Kreise bis in höchste Regierungsebenen. Schließlich wird den Schülern von Kreisschulrätin Kessler (Jördis Triebel) und von Volksbildungsminister Lange (Burghart Klaußner) angedroht, der Schule verwiesen zu werden – ein Abitur wäre unmöglich. Kurt und die anderen müssen sich entscheiden: Mut zum Widerstand oder klein beigeben.

Nach dem preisgekrönten „Der Staat gegen Fritz Bauer“ über den hessischen Generalstaatsanwalt wagt sich Autor und Regisseur Lars Kraume (hier geht es zum Interview mit Kraume) erneut an einen brisanten historischen Stoff, diesmal aus der DDR. Und erweist sich dabei als fulminanter Erzähler.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte ist ein Paradebeispiel für Zivilcourage in einem totalitären System. Was aber den sorgfältig in Szene gesetzten Film zum Meisterwerk werden lässt, ist die unglaubliche Souveränität, mit der Lars Kraume seine Geschichte erzählt. Wunderbar, wie vielschichtig er die Schüler charakterisiert, wie er dramaturgisch immer noch eine Schippe drauflegt, wie er die Lebensumstände der einzelnen Familien anreißt. Bestes Erzählkino.

Das schweigende Klassenzimmer D 2018, 111 Min., R: Lars Kraume, D: Tom Gramenz, Leonard Scheicher, Jonas Dassler, Start: 1.3.

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