Drama

„Das unbekannte Mädchen“ im Kino

Die Brüder Dardenne bleiben mit „Das unbekannte Mädchen“ ihrem sozial-realistischen Kino treu

Foto: Temperclayfilm
Foto: Temperclayfilm

Die junge Ärztin Jenny Davin ist gerade bei der Nachbereitung ihres Arbeitstages, als es klingelt. Der Praktikant will öffnen, doch sie weist ihn zurecht. Es muss auch mal Schluss sein. Einige Tage später wird sie auf Videoaufnahmen das Gesicht der Frau sehen, die Einlass gesucht hat: eine junge Afrikanerin, die danach tot aufgefunden wurde. Sie ist „Das unbekannte Mädchen“ in dem neuen Film der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. Die Polizei ermittelt, und Jenny, die von schlechtem Gewissen geplagt wird, beginnt ebenfalls, Fragen zu stellen. Sie will den Namen des Opfers herausfinden, damit es ein richtiges Grab bekommen kann.
Seit sie 1999 mit „Rosetta“, einem der bedeutendsten Arthousefilme der vergangenen Jahrzehnte, bekannt wurden, haben sich die belgischen Brüder Dardenne auf ein einfaches, sozialrealistisches Kino spezialisiert, in dem sie moralische Fragen und die vielfachen Zwangslagen der einfachen Leute zusammenführen. „La fille inconnue“ ist auch stilistisch ein exzellentes Beispiel für ihr Vorgehen: Der Film bleibt durchwegs bei Jenny Davin (ohne Pathos gespielt von Adèle Haenel), die als praktische Ärztin leicht die Position einer selbsternannten Ermittlerin einnehmen kann. Auf ihren Wegen lernen wir das Leben in Lüttich als das einer Weltgesellschaft im Kleinen kennen. Ein exzellentes Beispiel für ein Kino, das auf den Ansprüchen der Humanität beharrt.

LA fille inconnue (OT) F/B 2016, 106 Min., R: Jean-Pierre & Luc Dardenne, D: Adèle Haenel, Olivier Bonnaud, Jérémie Renier, Start: 15.12.

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