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„Das Zimmermädchen Lynn“ im Kino

Das Zimmermädchen Lynn

Hin und wieder werden die Zahnbürsten noch einmal von ihr persönlich nachgereinigt – was vielleicht ein erstes Anzeichen dafür ist, wie nah Lynn den Menschen aus der Distanz zu kommen trachtet. Manchmal legt sie sich unter ein Hotelbett und verbringt auf diese Weise die Nacht mit einem Fremden. So lernt sie auch Chiara kennen, die Sexarbeiterin ist, und von der Lynn zunächst nur die spitzen Absätze sieht, und wie diese in das Fußfleisch eines Gastes stechen. Nach einigem Zögern bestellt sie sich Chiara auch in die eigene aseptische Wohnung. In diesen Stunden kann Lynn die übliche Sprüh-Wisch-Choreographie aufgeben. Man beobachtet sie aber in jeder Situation mit Interesse, Krieps Spiel als auch Sophie Mainitigneux Bilder sind scharf und präzise, die überzogen penible, innerlich aber kippelnde Normwelt entwickelt einen eigenartigen Sog.

Text: Carolin Weidner

Foto: Movienet Film

Orte und Zeiten: „Das Zimmermädchen Lynn“ im Kino in Berlin

Das Zimmermädchen Lynn, Deutschland 2014; Regie: Ingo Haeb; Darsteller: Vicky Krieps (Lynn Zapatek), Lena Lauzemis (Chiara), Steffen Münster (Heinz); 90 Minuten

Kinostart: Do, 28. Mai 2015

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