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„Dating Lanzelot“ im Kino

Dating Lanzelot

Seit drei Jahren kein Sex? Und das mit Mitte zwanzig? Lanzelot könnte die Wände hochgehen, doch brav wie dieser Knabe nun mal ist, vertieft er sich lieber in die Kunst des Origami, um seine Triebe zu beruhigen. Auf den dritten Platz in einem Berliner Wettbewerb hat er es damit geschafft – und sonst? Gäbe es seinen vitaleren Mitbewohner Milan nicht, wäre Lanzelots Leben so trist und blau wie seine Zimmerwände. Doch Milan hat seinen Freund bei einem Flirtportal angemeldet und hetzt ihn fast täglich zu neuen Dates. Noch bevor Lanzelot registriert, wie ihm geschieht, sieht er sich einer Reihe neurotischer Blondinen und fremden Erwartungshaltungen konfrontiert.
„Dating Lanzelot“ heißt der neue Film von Oliver Rihs, dessen „Schwarze Schafe“ (2006) zum Berliner Kultfilm wurde. Nun nimmt er das moderne Paarungsverhalten aufs Korn, das dank Internet zum beliebigen Fleischkonsum degeneriert ist. Wo sich manche Berliner Beziehungskomödien auf permanenten WG-Umzugsstress beschränken, um das Erregungspotenzial der Generation 20 plus zu beschreiben, gräbt „Dating Lanzelot“ unter der Gürtellinie nach der Triebessenz verbogener Großstadtkreaturen. Naiv harrt Rihs lascher Held in seinem Stammcafй auf das Defilee paarungswilliger Damen: die Alleinerziehende mit verzogenem Gör, eine Verklemmte, die ausgerechnet dieses Lanzelotchen als Sex-Trainer will, eine der Realität Entrückte und dann eine, die klar sagt, was sie will (erlegt werden von einem wilden Mann in blutiger Metzgerschürze!). Waidmanns Heil! Als Milan sich schließlich endlich die kompatible „Knuddelhexe“ greift, dämmert Lanzelot, dass er möglicherweise für ihn die Frauen vorsortiert, die allesamt zu dürr und zu blond sind für seinen Geschmack.
Lanzelots Paarungsversuchsprotokoll war als Webisodes für das Portal 3min (Telekom) konzipiert. „Dating Lanzelot“ jedoch gehört ins Kino. Grafisch raffiniert aufgemotzt und veredelt durch den Schrammelcharme einer Low-Budget-Produktion, treibt Rihs Lanzelots Heldentaten peinlich genau auf die Spitze. Auch den Berlinbezug hat der gebürtige Schweizer nicht vergessen: In einer bollywoodesken Schlusssequenz lässt er stadtbekannte Anmachtempel baden gehen. Cool.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Sehenswert

Foto: Port-Au-Prince Pictures

Orte und Zeiten: „Dating Lanzelot“ im Kino in Berlin

Dating Lanzelot, Deutschland/Schweiz 2011; Regie: Oliver Rihs; Darsteller: Peter Weiss (Lanzelot), Manuel Cortez (Milan), Jule Böwe (Süße Maus); 93 Minuten; FSK 12

Kinostart: 30. August

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