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„Day Is Done“ im Kino

Day Is Done

Im opulenten 35mm-Format sammelte der Schweizer Filmemacher Thomas Imbach fünfzehn Jahre lang Kamerablicke aus seinem Züricher Atelier. „Day is Done“ montiert die befremdliche Schönheit dieses autistischen Bilderarchivs mit einer doppelten Tonspur: der Lyrik sanfter Cover-Versionen von Bob Dylan und anderen (George Vaine) und der Prosa spontaner Mini-Monologe, die Imbachs Eltern, seine Ex-Frau, sein heranwachsender Sohn, Freunde und Liebhaberinnen im Lauf der Jahre auf dem Anrufbeantworter in seinem Atelier hinterließen. Imbach fixiert die Industrie-Silhouette und das Spiel technischer Bewegungsabläufe in faszinierenden Panoramen. Passanten fungieren als schiere Objekte, füttern den obsessiven heimlichen Kamerablick mit ihrem Elan vital. Eine Nachbarin durchquert unendlich oft das Bild, während der Stimmenreigen die zwischenmenschlichen und beruflichen Dramen andeutet. „Day is done“ ist ein visueller Essay, ein Trance-Spiel um Nähe und Entfremdung, das autobiografisches Material nicht uneitel ausbreitet und dabei den Arrangeur im sicheren Schatten seines Elfenbeinturms verbirgt.

Text: Claudia Lenssen

Foto: Arsenal

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Day Is Done“ im Kino in Berlin

Day Is Done, Schweiz 2011; Regie: Thomas Imbach; 111 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 1. Dezember

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