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„Dead Man Down“ im Kino

Dead Man Down

Glaub’ nicht, was du siehst! In der ersten Einstellung des Films hält der tätowierte Gangster Darcy ein Baby in den Armen und spricht voller Hoffnung von den Chancen, die daraus für die Beziehung zu seiner Ehefrau erwachsen. Sein Freund Victor, der diesem Monolog regungslos zuhört, wird später eine Überraschung erleben, als Beatrice (Noomi Rapace), die schöne junge Frau aus der Wohnung gegenüber, von Nahem betrachtet eine von Narben entstellte Gesichtshälfte zeigt und ihr Date damit endet, dass sie ihn mit einer Videoaufzeichnung erpresst. Victor (Colin Farrell) ist, wie Darcy, Mitglied der Gangsterbande von Alphonse, ein Drogendealer, der zudem darauf spezialisiert ist, im Zuge von Luxussanierungen Mieter aus ihren Wohnungen in New York zu vertreiben. Und er ist derjenige, der seit drei Monaten systematisch die Mitglieder dieser Bande tötet und mit Hinweisen, die Teile eines Fotopuzzles sind, verunsichert.
Ein Mann nimmt Rache und begibt sich dabei wiederholt in lebensgefährliche Situationen, in denen seine vorgetäuschte Rolle als loyales Gangmitglied mit der des Rächers in Konflikt gerät. Und dann soll er auch noch die Rache der jungen Frau ausführen, die den Mann, der für ihr entstelltes Gesicht verantwortlich ist, bestrafen will. Was für ein Schlamassel.
Ein Thriller, ein Drama, ein Märchen: Mit seinem US-Debüt versucht der Däne Niels Arden Oplev („Verblendung“) den Spagat zwischen unterschiedlichsten Erzählformen. „Dead Man Down“ kreist um das Motiv der Rache: Die eine soll möglichst schnell vollzogen werden, um die Gespenster der Vergangenheit zu vertreiben, die andere erfordert eine minutiöse Planung, weil es gleich zwei Gruppen von Schuldigen gibt, die in einem einzigen Akt ausgelöscht werden sollen. Dabei legt Victor mit dem Fotopuzzle Spuren, die er gleichzeitig verwischen muss, denn ausgerechnet sein Freund Darcy ist dem geheimnisvollen Killer auf der Spur. Mit Darcy schließt sich am Ende ein Kreis, auch wenn nicht alle Teile der (ver-)komplizierten Geschichte zusammenpassen. Kann Liebe schließlich doch Umkehr und Erlösung von dem Rachegedanken bedeuten? Wie ernst der Film das Drama nimmt, ist nie ganz klar, gerade auch angesichts der komisch-surrealen Momente, die von Isabelle Huppert ausgehen, die als exzentrisch-schwerhörige Mutter von Beatrice ein Faible für Tupperware besitzt.

Text: Frank Arnold

Foto: Wildbunch Germany GmbH

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Dead Man Down“ im Kino in Berlin

Dead Man Down, USA 2013; Regie: Niels Arden Oplev; Darsteller: Colin Farrell (Victor), Noomi Rapace (Beatrice), Terrence Howard (Alphonse Hoyt); 117 Minuten; FSK 16

Kinostart: 4. April 

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