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„Dein Weg“ im Kino

Dein Weg

Zu spät: Zwischen Vater und Sohn hat es nie ein klärendes Gespräch gegeben und jetzt ist Daniel tot, verunglückt, als er gerade den Jakobsweg beschreiten wollte. Eigen­tlich will Vater Tom nur den Leichnam überführen, aber dann macht sich der verwitwete Augenarzt aus Kalifornien an Stelle seines Sohnes auf den 800 Kilometer langen Pilgerpfad in Spanien. Dabei befindet er sich bald in Gesellschaft eines übergewichtigen Holländers, einer kettenrauchenden Kanadierin und eines irischen Schriftstellers mit Schreib­blockade.
Es scheint zum Grundmuster von spirituellen Filmen zu gehören, dass mindestens einige ihrer Figuren vor ihrer Bekehrung penetrante Nervtöter sind. Man versteht Toms Gesichtsausdruck nur zu gut, wenn Jack wieder einmal zu einem seiner Monologe zwischen Selbstüberschätzung und Selbstmitleid ansetzt. Vielleicht hätte Regisseur Emilio Estevez, der Sohn von ­Martin Sheen, den Weg besser nur mit seinem Vater und einer Dokumentarfilmkamera zurücklegen sollen, denn hier klaffen Welten zwischen dem verhaltenen Spiel von Sheen und Deborah Kara Unger und dem outrierten von James Nesbitt. Wirklich schlecht kann ein Film, in dem ein Song von Nick Drake zu hören ist, allerdings nicht sein.

Text: Frank Arnold

Foto: Koch Media

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Dein Weg“ im Kino in Berlin

Dein Weg (The Way), USA 2010; Regie: Emilio Estevez; Darsteller: Martin Sheen (Tom Avery), Deborah Unger (Sarah), James Nesbitt (Jack); 120 Minuten; FSK 0

Kinostart: 21. Juni

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