Musikdokumentation

„Denk ich an Deutschland in der Nacht“ im Kino

Seit 2003 dokumentiert Romuald Karmakar in ­unregelmäßigen Abständen die deutsche Techno-und Electroszene

Foto: Arden Film

Seine Beobachtung von „DJ Hell at Work“ bei einer After-Love-Parade-Party 2002 im WMF in dem Film „196 BPM“ ist ein ikonischer Moment gefilmter DJ-Kultur geworden. Mit minutenlangen, statischen Einstellungen, ent- statt beschleunigend, setzte er filmisch in all ­seinen Arbeiten über die elektronische Musikszene bewusst einen Kontrapunkt zu den treibenden Beats der Musik und ihrer euphorischen Feierkultur.
Auch hier ist Karmakar dieser Herangehensweise treu geblieben, unterstützt durch die  hervorragende Kameraarbeit Frank Griebes. Der Film beginnt in der Totalen mit einem Stillleben aus Kabelgewirr und Techniktürmen, Verstärkern, Keyboards und Schaltpulten, die Ricardo Villalobos  – dem Karmakar bereits 2009 den Film „Villalobos“ widmete – liebevoll als „Kontrolleure“ bezeichnet. Der nüchterne Blick auf die Produktionsmittel von Menschen, deren Beruf und Berufung es ist, Musik zu machen, ist der perfekte Einstieg in die Arbeitswelt der Tech-House- und Electro-Produzenten, die Karmakar porträtiert. Neben Villalobos begleitet er Roman Flügel, Sonja Moonear, Ata und Move D bei der Entstehung ihrer Musik im heimischen Studio, beim Auflegen in Clubs und bei Festivals. All das geschieht angenehm unaufgeregt und wird durch kluge Einlassungen der Protagonisten abgerundet, die eloquent über sich und die komplexe Entwicklung dieser Musikkultur zu berichten wissen. Geerdet im Hier und Jetzt gelingt Karmakar deshalb mit dem Film ein zeitloses Dokument über die DJ-Kultur des 21. Jahrhunderts.

Denk ich an Deutschland in der Nacht D 2017, 105 Min., R: Romuald Karmakar, Start: 11.5.

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