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„Der Adel vom Görli“ im Kino

Der_Adel_vom_GoerliErst kam „Hasenheide“, nun folgt „Der Adel vom Görli“. Berlins Biotope sind dankbare Sujets für Dokumentarfilmer. Fast jeder Stadtbezirk hat seine Parks und Plätze, Treffpunkte für Mütter, Tagediebe, Hartz-IV-Empfänger und die üblichen Originale. In diesem Fall streift Regisseur Volker Meyer-Dabisch über das Gelände des ehemaligen Görlitzer Bahnhofs. Drei Sommerwochen lang hat er in der Wohnstube von SO36 gedreht, sich durch tägliche Präsenz in das Bewusstsein der Parkbesucher geschlichen, bis selbst scheue Wesen wie Frisbee-Athlet Alberto oder die hartgesottenen „Ghetto-Golfer“ Stonebiter, Bernie und Steve vor der Kamera über ihre Golf-Manie und persönliche Görli-Anekdoten plauderten. Doch Meyer-Dabisch versteift sich nicht nur auf skurrile Typen, Dosenbier und Weltrevolution. Andere wie der Gitarrenspieler Lupo erlauben mehr Nähe und erinnern sich an Zeiten vor der Wende, an die „Harnröhre“, den stinkenden Verbindungstunnel zur Wiener Straße, an tote Gleise und verpasste Lebenschancen. Eine Biografie wie die von Lupo hat heute Seltenheitswert, in Kreuzberg war sie mal alltäglich. Solche Geschichten  tragen den Film. Sie handeln von persönlicher Freiheit auf der ewigen Brache am Görli.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Karl Handke Filmproduktion

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Der Adel vom Görli“ im Kino in Berlin

Der Adel vom Görli Deutschland 2010; Regie: Volker Meyer-Dabisch; 71 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 20. Januar

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