Alltags-Drama

„Der Affront“ im Kino

Eine Bagatelle eskaliert in Beirut

Alpenrepublik

In einem Stadtteil von Beirut, in dem gerade renoviert wird, geraten zwei Männer in Streit: Tony hat eine Autowerkstatt und eine hochschwangere Frau, er ist Christ, von seinem Balkon führt ein Wasserabfluss direkt auf die Straße. Yasser ist Baumeister, er steht zur falschen Zeit unter dem Abfluss und reagiert naturgemäß ungehalten. Interessanterweise soll er sich entschuldigen.

Schon an dieser Stelle von Ziad Doueris Film „Der Affront“ würde man gern eingreifen und die Beteiligten zur Ordnung rufen. Aber der Streit eskaliert über diese ersten Szenen hinaus noch ganz gehörig, und bald landet die Angelegenheit auch vor Gericht. Und weil sich die beiden störrischen und verletzlichen ­Männer auch dort (vorerst) nicht zur Vernunft bringen lassen, nimmt bald das ganze Land an dem Konflikt Anteil.

Um diesen „Affront“ wirklich in allen seinen Facetten zu verstehen, müsste man wahrscheinlich einiges über den Libanon wissen, diesen Kleinstaat in der unmittelbaren Nachbarschaft Israels. Man kann Ziad Doueris ­Drama aber auch als Einführung in die traumatische Geschichte des Libanon nehmen: Zahlreiche religiöse und ethnische Gruppen leben dort in prekären Aushandlungsverhältnissen, dazu kommen zahlreiche Flüchtlinge (Doueiri geht es in erster Linie um die Palästinenser). Der Weg durch die Instanzen ist auch ein Weg in die Geschichte, und selbst wenn das mitunter didaktisch wirkt, ist „Der Affront“ doch insgesamt spannend und aufschlussreich zugleich.

Der Affront LIB/B/ZYP/F/USA 2017, 112 Min., R: Ziad Doueiri, D: Adel Karam, Kamel El Basha, Rita Hayek, Start: 25.10.

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