Kino & Stream

„Der Albaner“ im Kino

Der Albaner

Ein eindrückliches Eröffnungstableau: sitzende, hockende, liegende Personen wie Skulpturen in der Landschaft, ein unregelmäßiger Steingarten, in den plötzlich Bewegung kommt, als Beamte an der griechisch-albanischen Grenze die Schranke öffnen. In Albanien ist der Stand des Euro noch unbestritten, und so führen Tausende ein Leben im Wartestand, frustriert und voll naiven Glaubens an das kapitalistische Glücksversprechen. Wirklich ernsthaft Geld ist allerdings nicht im nahen Griechenland zu verdienen, sondern dort, wo die Autos der Zuhälter und Rapper gebaut werden. Und so macht sich der junge Arben aus seinem Bergdorf auf nach Deutschland, denn er braucht 10.000 Euro, als seine große Liebe Etleva schwanger wird und die Familie – wie in den archaischen Verhältnissen üblich – ein Brautgeld fordert. In der Fremde ist er dann nur noch der Albaner, der alle Jobs macht und keine Fragen stellt.
Als Johannes Naber Anfang des Jahres in Saarbrücken mit dem Max-Ophüls-Preis für den besten deutschen Nachwuchsfilm ausgezeichnet wurde, lobte die Jury zu Recht seine „stringente, glaubwürdige und emotionale Erzählweise“. „Der Albaner“ ist engagiertes Kino im besten Sinne: parteiisch, aber nicht eindimensional. Die Motive sind nicht neu: die Macht der Liebe, die Solidarität der Underdogs, der Verrat in der Familie und der Fluch des verpassten Moments. Die überlebensnotwendige Unsichtbarkeit der Einwanderer ohne gültige Papiere, die dokumentarisch kaum zu fassen sind, war für den Regisseur die zentrale Motivation, über dieses Thema seinen ersten Spielfilm zu machen. Der Flüchtigkeit der Illegalen setzt er eine gesteigerte filmische Aufmerksamkeit entgegen, folgt seiner Figur mit einer Anhänglichkeit, die an Überwachung grenzt. Hauptdarsteller Nik Xhelilaj ist als Arben in jeder Szene im Bild und trägt mit seiner Präsenz und der erdigen Schönheit eines Pasolini-Darstellers einen guten Teil des Films. Trotz aller Empathie bleibt der Blick analytisch, präpariert die Hierarchien der Illegalität heraus: Der Kroate bezahlt den Albaner, damit er die Vietnamesen oder Russen beim polnischen Schlepper an der Grenze abholt. Der Kampf ums eigene Glück ist mit dem Leid der Schwächeren gepflastert.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Zorro Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Der Albaner“ im Kino in Berlin

Der Albaner, Deutschland/Albanien 2010; Regie: Johannes Naber; Darsteller: Nik Xhelilaj (Arben), Xhejlane Terbunja (Etleva), Ivan Shvedoff (Slatko); 107 Minuten; FSK 12

Kinostart: 4. August

Mehr über Cookies erfahren