Kino & Stream

„Der Chaos-Dad“ im Kino

Der_Chaos-Dad_18_c_SonyPicturesReleasingGmbHOder Sandler demonstrierte in Filmen wie „Punch Drunk Love“, „Die Liebe in mir“ oder „Wie das Leben so spielt“, dass Anflüge schauspielerischer Tiefe durchaus möglich sind. Zuletzt allerdings richtete er es sich etwas zu bequem in der unterirdischen Tiefschlagklamotte ein und hat auch mit „Der Chaos-Dad“ nicht die geringste Ambition, daran etwas zu ändern.

Unglaublich aufdringlich verkörpert Sandler darin den verantwortungslosen, prolligen Lebemann Donny Burger, der bereits als Schüler zu zweifelhaftem Ruhm gelangte, weil er Sex mit seiner Lehrerin hatte. Nachdem sie schwanger zu einer 30-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, zog er den gemeinsamen Sohn Han Solo allein groß. Über 20 Jahre später will der Nachwuchs – ein prüder Außenseiter, der sich inzwischen Todd nennt und ein erfolgreicher Hedgefondsmanager ist – längst nichts mehr mit seinem Erzeuger zu tun haben. Als Donny dringend 43 000 Dollar braucht, um seine Steuerschulden zu bezahlen, platzt er dennoch in das Leben seines Sohnes und mischt die Vorbereitungen zu dessen unmittelbar bevorstehender Hochzeit auf.  

Das alles geschieht in einer endlosen Abfolge lausig zusammengekritzelter Unlustigkeiten, die erwartungsgemäß vor allem auf Hässliche, Alte, Dicke, Körperflüssigkeiten und die niedersten Instinkte zielen. Die dickbrüstige Stripperin ist unwahrscheinlich unappetitlich, die klapprige Omi noch sehr sexgeil und Donny im tiefsten Grund seines Herzens eine gute Seele, der den Spross bei dieser  letztlich recht sentimentalen Vater-Sohn-Zusammenführung vor der verlogenen Frau und deren spießiger Sippschaft retten muss. Nach 114 langen Minuten und vor dem sofortigen Vergessen beschäftigt einen noch einzig und allein eine Frage: Warum hat sich Susan Sarandon für einen Cameoauftritt in diesen quälenden pubertären Quatsch verirrt?

Text: Sascha Rettig

Foto:Sony Pictures

tip-Bewertung: Ärgerlich

Orte und Zeiten: „Der Chaos-Dad“ im Kino in Berlin

That‘s My Boy USA 2012; Regie: Sean Anders, John Morris; Darsteller: Adam Sandler (Donny), Andy Samberg (Todd), Leighton Meester (Jamie); 114 Minuten; FSK 16; Kinostart: 27. September

Mehr über Cookies erfahren